Gerade flattert mir der "Mr. Sternzeit"-Newsletter zu diesem Thema ins Postfach.
Aus Copyright-Gründen kann ich ihn hier nicht zitieren und auf der Website
https://www.deutschlandfunk.de/mr-sternzeit-newsletter-100.htmlist man noch im April...
Nachtrag: der Titel heißt "Explodierte Mondraketen"
Der Essay ist rein polemisch geschrieben und enthält eine Reihe sachlicher Fehler, Übertreibungen und fragwürdige Schlussfolgerungen.
Schon die zentrale These, die NASA-Mondpläne seien durch die New-Glenn-Explosion „doppelt unter Druck“, ist überzogen. New Glenn ist zwar für Artemis relevant, aber weder kurzfristig noch kritisch. Die Behauptung, der NASA gingen nun die Mondraketen aus, ist schlicht falsch – Artemis 3 basiert weiterhin auf dem SLS.
Auch die pauschale Aussage, SpaceX habe Starship „noch immer nicht in die Erdumlaufbahn gebracht“, ist schief, wie wir alle wissen.
Problematisch ist die Vermischung von Fakten und Spekulation. Dass auf LC-36 „in diesem Jahr nichts mehr startet“, ist derzeit reine Vermutung, wenn auch leider wahrscheinlich. Aber noch kennt niemand das tatsächliche Schadensbild, den Reparaturaufwand oder mögliche Alternativlösungen.
Bei Ariane 6 wird dagegen deutlich mit zweierlei Maß gemessen. Der Verlust einer kompletten Oberstufen-Deorbit-Funktion sei „kein Drama“ - das ist der Weltraummüll, den SpaxeX bewusst vermeidet, indem eben bei Testflügen kein Orbit erreicht wird. Während bei amerikanischen Programmen selbst Teilerfolge als gravierende Fehlschläge gewertet werden. Diese unterschiedliche Bewertung wirkt eher politisch als technisch motiviert.
Insgesamt liest sich der Text weniger wie eine Analyse der aktuellen Lage als wie ein Meinungsbeitrag mit einer vorab feststehenden Schlussfolgerung: traditionelle europäische Raumfahrt gut, neue amerikanische Anbieter schlecht. Die Faktenlage gibt viele der zugespitzten Aussagen jedoch nicht her.
Das ist kein "Newsletter" im Sinne von "news", sondern bestenfalls eine Kolumne.
Und wenn ausgerechnet ein Raumfahrtredakteur den Begriff "Lichtjahre" falsch verwendet, wenn auch übertragen, wie die meisten Leute, die ihn wie "Quantensprung" unreflektiert nutzen, ist das schon peinlich.
Sehr schade.