Bei aller Dramatik würde ich mal die positiven Punkte gegenüberstellen:
Zuallererst: Keine Verletzten und Toten!
Der Unfall ereignete sich bei einem Bodentest, es ging keine Nutzlast verloren.
Sicherheitszonen und Fernüberwachungssysteme funktionieren. Trotz der großen Explosion sind keine externen Schäden bekannt.
Bislang gibt es keine Hinweise auf ein grundlegendes Konstruktionsproblem.
Der Engpass ist nicht die Rakete, sondern die Wiederherstellung von LC-36. Aber der Bau eines zweiten Starplatzes war schon begonnen; vorproduzierter Teile konnen ggf. für due Reparatur verwendet werden.
Das BE-4-Triebwerk gilt weiterhin nicht als bestätigte Fehlerquelle.
Im Gegensatz zu einem Fehlstart in der Luft liegen die meisten Trümmer und Beweise am Startplatz. Das erleichtert die Unfallanalyse.
Die wird zwangsläufig sehr gründlich ausfallen. Dadurch besteht eine gute Chance, dass die tatsächliche Ursache eindeutig identifiziert und dauerhaft behoben wird.
Blue Origin verfügt über reichlich finanzielle Ressourcen und steht unter großem Druck, den Betrieb wieder aufzunehmen. Das könnte zu einer sehr schnellen Wiederherstellung der Infrastruktur führen.
Nun folgt der Aufbau einer moderneren und robusteren Startanlage. Das bietet die Möglichkeit, auch andere erkannte Schwachstellen direkt zu beseitigen.
Der nicht so praktische Transporter-Erektor wird offenbar durch ein sowieso geplantes neues System ersetzt.
Falls BE-4 nicht verantwortlich sind, würde dies auch für Vulcan Entwarnung bedeuten. Die Untersuchung könnte damit sogar zusätzliches Vertrauen in das Triebwerk schaffen.
Nebenbei:
So viel besser war auch SpaceX beim Starship letztes Jahr nicht aufgestellt. Wäre der RUD von Flugtest 7 oder 8 nicht nach Minuten des Flugs, sondern auf der Rampe passiert, hätte man genau das gleiche Problem gehabt: Zerstörte einzige Startanlage, zweite noch im frühen Baustadium, Frage ob man gleich zur nächsten Version von Rakete und Pad übergeht usw. Dass die Explosion von Ship36 auf dem Teststand war, war eher Glück, und hätte man nicht den Starttisch für die Ship-Tests adaptieren können, wären die Flüge 10 und 11 ausgefallen und es wäre auch für ein Jahr kein Starship gestartet.