Springpunkt, du wirfst genau die richtigen Fragen auf.
Und hast mich eine Stunde von anderer Arbeit abgehalten, weil ich das direkt mal nachschauen musste

Nein, wir kennen den Flugwinkel beim Hot Staging leider nicht direkt. SpaceX veröffentlicht weder den Flight Path Angle, noch Nickwinkel, noch vertikale und horizontale Geschwindigkeitsanteile.
Für frühere Starship-Flüge wurde in Foren anhand der Telemetrie und Videos Winkel zwischen etwa 35° und 50° über dem Horizont (also 40–55° zur Vertikalen) beim Hot Staging rekonstruiert.
Wenn Max-Q 13 s später kommt, könnte das verschiedene Ursachen haben.
1. Schub wird reduziert. Dann steigt das Fahrzeug langsamer. Max-Q später, größere Gravitationsverluste -> eigentlich schlechter.
2. Der Gravity Turn beginnt früher. Dann fliegt der Stack früher flacher. Dadurch längerer Weg durch dichtere Atmosphäre, Max-Q später, gleichzeitig kleinere Gravitationsverluste. Das wäre durchaus sinnvoll.
3. Beides gleichzeitig. Das halte ich für wahrscheinlich.
Warum nur 3 s frühere MECO? Hier sehe ich denselben Widerspruch wie du.
Nimmt man nur Max-Q +13 s und MECO −3 s, dann gewinnt man praktisch nichts.
Deshalb vermute ich, dass die eigentliche Änderung gar nicht die Zeit ist, sondern die Trajektorie.
Nach Hot Staging besitzt der Booster vertikale und horizontale Geschwindigkeit, klar. Die horizontale muss vollständig kompensiert werden, dafür dient der Boostback Burn in Zusammenspiel mit der aerodynamischen Fähigkeiten des Boosters in der Freifallphase.
Wenn z.B. v_h=1500,m/s, dann bedeutet 1 s bereits 1,5 km größere Entfernung. Bei 20 s Unterschied sprechen wir also über 30 km Rückflugstrecke!
Kann es sein, dass SpaceX genau diesen Parameter optimiert, also nicht
"Wie komme ich möglichst schnell nach oben?"
sondern
"Wie komme ich mit möglichst wenig Rückflugenergie wieder zum Startplatz?"
Im Hinblick auf "möglichst wenig Treibstoffreserve für den Booster benötigen".
Ein etwas flacherer Flug bedeutet dann:
* geringere Gravitationsverluste der Oberstufe
* kürzere horizontale Entfernung
* kleinerer Boostback Burn
* mehr Treibstoffreserve
* mehr Nutzlast
Der deutlich kürzere Boostback Burn könnte sogar ein Hinweis darauf sein, dass die eigentliche Optimierung gar nicht den Orbiteinsatz betrifft, sondern die Booster-Wiederverwendung.
Nehmen wir an, SpaceX spart beim Boostback beispielsweise 150–250 m/s Δv.
Diese Einsparung entspricht mehreren zehn Tonnen Methan und Sauerstoff.
Das könnte wirtschaftlich wesentlich wertvoller sein als wenige m/s zusätzlicher Orbitalgeschwindigkeit.
Sieht jemand einen Gedankenfehler?
Es wäre spannend, aus den wenigen bekannten Daten eine vereinfachte Rekonstruktion der Flugprofile zu erstellen. Würde man aus der Telemetrie früherer Flüge Geschwindigkeit, Höhe und Beschleunigung über die Zeit zusammentragen, könnte man grob abschätzen, welchen Flugwinkel SpaceX gewählt hat, wie groß die horizontale Geschwindigkeit beim Hot Staging war, und daraus dann, wie viel Δv der verkürzte Boostback Burn tatsächlich einspart und ob sich daraus die Änderung des Flugprofils erklären lässt.
PS
Ich entschuldige mich bei den Forums-Mitlesern, die hier knappe Neuigkeiten zu Flug 13 lesen wollen. Einfach überblättern

Ich bin heute vor Flug 13 besonders nerdig drauf
