Wenn Feststofftechnologie "grundsätzlich unzuverlässiger" wäre ... dann hätten die USA sie nicht in alle ihre ICBMs heute eingebaut. Und auch die ganzen Luft-Luft-Raketen in den Luftwaffen der Welt ...
Den Grund für Festtreibstoff in Waffensystemen sehe ich primär in der ständigen Bereitschaft und unkomplizierten Lagerung, nicht der Zuverlässigkeit. Außerdem ist bei Waffensystemen egal
wie sie versagen, bei bemannter Raumfahrt hingegen gibt es einen Unterschied ob es einfach nur Schubverlust gibt oder eine Explosion.
Flüssigraketen können geregelt oder abgestellt werden wenn es asymmetrischen Schub oder andere Sorgen gibt; können leer transportiert werden und brauchen daher keinen Milliarden teuren mobilen Starttisch; lagern Treibstoff und Oxidator getrennt was eine möglich Explosion stark abschwächt/verhindert; und brennen nur in den Triebwerken, nicht auf ganzer Länge, sodass heiße Gase an der Seite austreten könnten.
Bezüglich Challenger habt ihr natürlich Recht und eine Kapsel mit Escape System hätte vielleicht sogar entkommen können. Allerdings konnte so ein Unfall nur mit einem Feststoffbooster passieren, bei Flüssigraketen wird kein Feuer auf Höhe der Tanks entweichen.
Bezüglich der Zuverlässigkeit... allein innerhalb der letzten 2 Jahre hatten wir 2 Anomalien bei GEM63XL Boostern und eine Anomalie eines SLS BOLE Boosters. So eine Explosion der Düse würde beim SLS zum Missionsabbruch führen selbst wenn es nicht sofort zum Verlust der Rakete kommt einfach weil der asymmetrische Schub durch den anderen Booster nicht ausgeglichen werden kann.