Wir können ewig aneinander vorbei diskutieren, wenn der Unterschied zwischen
einem bestimmten zu erreichenden (Teil-)Orbit vor einem Startplatz aus und dafür notwendigem Crossrange auf der einen Seite und
einem genau auf einen Landeplatz ausgewähltem (Teil-)Orbit auf der anderen Seite nicht gemacht wird.
Ersteres ist klassische Bahnmechanik, und ja, nicht jeder
Orbit kann von jedem Startplatz aus direkt erreicht werden. (Eigentlich nur die wenigsten, und erst recht nicht die interessantesten.) Aber darum geht es hier nicht.
Zweiteres nimmt nämlich nicht den Orbit, sondern den Landeplatz als Voraussetzung: Jeder
Landeplatz kann von jedem Startplatz mit einem bestimmten (Teil-)Orbit erreicht werden. Das ist etwas ganz anderes.
Oder nochmal anders: Die zu errechnende Unbekannte ist nicht der Landeplatz, sondern der Orbit. Wir stecken also nicht einen Orbit in die Bahngleichung und stellen fest, wo gelandet werden kann und wo nicht. Sondern umgekehrt.
Oder nochmal anders, etwas bildlicher: Wir wissen, dass man von Boca Chica einen ganz bestimmten Punkt vor Australien erreichen kann. Mit etwas längerer oder kürzere Flugzeit jeden anderen Punkt auf diesem Teilorbit, immer korrigiert natürlich mit der inzwischen erfolgten Erdrotation. Das legt projiziert eine (nicht geschlossene) Kreislinie auf den Globus. Ändert man die Abflugrichtung = Inklination
beim Start (nicht unterwegs!) ganz leicht, erreicht man beliebige Punkte knapp neben dieser Bahn. Und so weiter. Hat man die Abflugsrichtung nach und nach um 360 Grad gedreht, hat man damit die Erdkugel mit diesen Kreislinien komplett bedeckt und damit letztlich alle Punkte auf der Erde, kann also als Punkt-zu-Punkt-Transport jedes Ziel auf mindestens einem Teilorbit erreichen. Der ursprüngliche Startort ist nur ein Sonderfall; warum sollte der anders sein als alle anderen Punkte auf dem Globus?
Das ist nach wie vor das eigentliche Missverständnis: Diejenigen, die abstreiten, dann man den Startplatz nach einer Erdumrundung erreichen kann, denken von der anderen Seite, von einem fixen Orbit, aus. Das ist der falsche Ansatz.
Aber warten wir einfach ein Jahr, und SpaceX wird uns zeigen, wie man nach einer Erdumrundung wieder in Starbase ankommt!

Wenn man, wie du schreibst, "auf Bermuda zielt", wäre das kein geschlossener Kreis als Flugbahn mehr, sondern eine offene Spirale um den Erdmittelpunkt.
Das hast Du missinterpretiert. Der gewählte Orbit schneidet natürlich einen Punkt
über Bermuda. Durch die Landeprozedur wird der dann ohne Crossrange zum Landepunkt. War natürlich vereinfacht dargestellt; bei einer Erdumrundung mit Start- und Landephase bleibt beim eigentlichen Flug ohnehin nicht viel vom "Orbit" übrig. Was ich meine ist natürlich die Projektion der Flugbahn auf einen Orbit, der wiederum die Bewegung über die Erdoberfläche darstellt. Und entlang dieser Projektion muss geflogen werden.
Man berechnet die Erddrehung mit in die Richtung ein, und landet nach einer Umrundung genau an dem Punkt, wo man hinwill. Dafür muss die Rakete genau in einer bestimmte Richtung starten, und das war's
Genau, das ist stark kondensiert das, was ich versucht habe zu erklären.
Es gibt genau eine Bahnebene durch die drei Punkte Startpunkt, Landepunkt, und Erdmittelpunkt. Dies legt die inklination fest.
Ein Großkreis durch den Startpunkt kann schon einen Punkt auf gleicher geographischer Breite enthalten, aber dann ist die Flugzeit an die Entfernung beider Punkte gekoppelt. Da die Rakete beim Start nach Osten sich schneller bewegt als die Erddrehung hat sich dann aber der Startpunkt noch nicht dahin gedreht wenn dieser Bahnpunkt durchflogen wird.
Nur nach mehreren Orbits hat sich die Erde einmal komplett ggü. der Bahnebene gedreht, dann erreicht man den Startpunkt wieder. Das geht aber nur mit Orbitalflügen, nicht suborbital.
Das stimmt soweit; nur dass ich eben nicht den Landepunkt zum Zeitpunkt des Abhebens für die Berechnung dieser Bahnebene nehme, sondern den Punkt, an dem er sich beim Landen befinden wird. Ja, das hängt von der Flugdauer (inkl. langsamere Start- und Landephase) ab und muss einberechnet werden. Auf dem damit errechneten Großkreis(-projektion), der auch die Startrichtung (Inklination) vorgibt, landet man dann nach einem (Teil-)Orbit zielgenau da, wo man hinwollte, und das kann wieder der Startpunkt sein sowie auch jeder andere Punkt auf der Erde. Mehr als ein Orbit kann sein, ist aber nicht notwenig.
Für die Diskussion ist es hilfreich, die Begriffe jeweils richtig und eindeutig zu verwenden.
Der Startort gibt die Inklination schon mit, sonst geht die Bahn nicht durch den Erdmittelpunkt.
Ich weiß, was du mit dem ersten Satz sagen willst: Nicht Bahn, sondern Bahnebene (die Flugbahn geht natürlich nicht durch den Erdmittelpunkt). Dennoch stimmt es so nicht. Von jedem Standort aus gibt es in jede Richtung bzw. mit jeder beliebigen Inklination genau eine Bahnebene, die durch den Erdmittelpunkt geht. Rotationssymmetrisch. Der Standort gibt vor, welche Orbits direkt erreicht werden können. Aber er gibt nicht die Inklination vor.
Man kann zwar die Inklination mit (hohem) Energieaufwand nachträglich (oder noch am Ende der Startphase, kommt aber aufs selbe raus) ändern, aber der neue Orbit mit neuer Inklination ist wieder ein Großkreis unter dem sich die Erde wegdreht.
Das stimmt alles, ist aber hier überhaupt nicht gefordert. Es geht gar nicht darum, Orbit / Bahn / Inklination
nachträglich zu ändern. Sondern sie von Anfang an so zu wählen, dass sich das gewünschte Ergebnis = Zielort dabei von selbst ergibt.
Nur am Pol (mit gezielter Richtung) kann man den Orbit so legen, dass man jeden Punkt der Erde mit einem Orbit erreicht.
Und das eben stimmt nicht. Nicht mit Erddrehung und nicht ohne.
Eränzung: Was Du meinst ist: Nur als Polarbahn kann man einen einzelnen Orbit so wählen, dass man darauf mit genügend Umläufen über jeden Punkt der Erde kommt. Von wo man startet ist dabei aber egal, das kann irgendwo sein, Hauptsache es geht über die Pole!
"Jeden Punkt = alle Punkte mit einem einzelnen Orbit" ist aber gar nicht gefordert. Nur "Beliebiger Punkt über einen speziellen Orbit erreichbar". Das ist etwas ganz anderes.
Und das ist auch der Grund warum man von einem Startort der nicht auf dem Äquator oder den Polen liegt, eben nicht in jede Richtung starten kann. Weil man sich nicht auf einem Großkreis befindet wenn man vom Cape nach Westen startet.
Das stimmt nicht. Du zäumst das Pferd vom Schwanz auf. Du kannst problemlos nach Westen starten, so wie in jede beliebige Himmelsrichtung. Nur fliegt die Rakete dann eben nicht nach Westen, sondern auf dem Großkreis, der den Startpunkt in Ost-West-Richtung schneidet.
Auch hier bitte wieder auf sauber verwendete Begriffe achten: "Richtung Westen fliegen" (geht nicht) ist nicht das gleiche wie "in westliche Richtung starten" (geht), und "nicht in jede Richtung starten" (falsch) ist nicht das gleiche wie "nicht in jeden Orbit starten" (richtig).
Tipp: Wer es sich auf einer Landkarte vorstellt, wird vielleicht scheitern. Nehmt notfalls eine Kugel/Globus und einen Ring, um das nicht in 3D denken zu müssen...
Na ja, verbiegt euch weiter das Hirn, ich warte auf die physische Bestätigung!
(PS Mods, gehört das noch zu "Flug 11" oder in einen Faden zu Flugbahnen / Ort-zu-Ort-Flug?)