SpaceX - Diskussion

  • 11624 Antworten
  • 10106121 Aufrufe
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11600 am: 10. August 2026, 17:21:36 »
Der rote Balken sind Einnahmen, eigentlich Gewinne, aus der Raumfahrt. Also Vertragsflüge für Private, NASA, Militär, und damit derzeit fast ausschließlich Falcon. Das war mal die Haupteinnahme, ist es aber seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Wir reden auch über den grünen Balken, das ist das Ergebnis der Mehrheit aller Falcon-Flüge für Starlink, denn ohne die gäbe es die mittlerweile bedeutenden Gewinne aus Starlink nicht. Und die widerum haben bis vor kurzem die Entwicklung von Starship finanziert - jetzt nach dem Börsengang gibt es andere Geldquellen.

Und wir reden gerade hier über Starship, das für das das Wachstum der grünen Balken und in wachsendem Maße für die gelben Balken zuständig sein wird, nämlich die KI-Rechenzentren im All. Ohne Starship wird das alles nichts.

Das sind fast ausschließlich Flüge, mit denen SpaceX seine eigenen Geschäftsmodelle ins Laufen bringt, die externen Aufträge sind zunehmend unwichtig, erst recht für die Finanzierung. Wer immer noch fragt, wozu so eine große Rakete mit so viel Nutzlast, wo sollen all die Aufträge herkommen, hat schlicht verpasst, wie sich SpaceX in den letzten paar Jahren komplett neu aufgestellt hat.

Darum die massive Invesition in Raumfahrt-Infrastruktur und die agressive Testflugreihe. Die setzen alles auf das neue "Renndromedar", und wenn das scheitert, bricht das ganze SpaceX-Imperium zusammen. Ein Scheitern sehe ich aber nicht, nur immer mal wieder Verzögerungen 

Daher hatte ich ja schon mal geschrieben, "an Starship hängt alles". Die Raketensparte ist nicht Hobby, sondern Rückgrat, und, erneut und wie alepu zwischenzeitlich auch schrieb  :), letzlich ist auch das alles nur Mittel zum Zweck: Technik und Geld für die Marsbesiedlung*

* wenn man glaubt, dass Elon Musk noch immer alles nur dafür tut. Noch nin ich geneigt, das so zu sehen.
Mehr Δv, weniger Drama. Mich überzeugen Daten, nicht Lager.

*

Offline alepu

  • *****
  • 14091
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11601 am: 10. August 2026, 17:51:03 »
Danke SpaceSil für die klaren Worte.
Ich hoffe jetzt haben es Alle verstanden.

Der Mars ist halt so eine fixe Idee von EM, an der er anscheinend bisher noch festhält und darauf zuarbeitet.
Natürlich besteht die Möglichkeit, daß er da irgendwann Mal die Lust dran verliert und sich einen neuen Lebensinhalt sucht.
Aber ich hoffe, daß das Projekt bis dahin ein Selbstläufer wird.
Daß das Starship sich als eine totale Fehlentwicklungen herausstellt, sehe Ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch nicht, bisher haben sie noch jedes Problem beseitigt. Im schlimmsten Fall wird das Starship eben nur teilwiederverwendbar und damit teurer und SX muß etwas neues und noch besseres entwickeln.

*

Offline Nitro

  • Raumcon Moderator
  • *****
  • 7318
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11602 am: 10. August 2026, 19:21:32 »
Danke SpaceSil für die klaren Worte.
Ich hoffe jetzt haben es Alle verstanden.

Der Mars ist halt so eine fixe Idee von EM, an der er anscheinend bisher noch festhält und darauf zuarbeitet.
Natürlich besteht die Möglichkeit, daß er da irgendwann Mal die Lust dran verliert und sich einen neuen Lebensinhalt sucht.

Aktuell habe ich ein bisschen das Gefuehl, dass Musks Fokus ein bisschen vom Mars auf KI verschoben hat. Aber KI ist halt auch gerade das Hot Topic und damit bekommen die Aktionaere grosse Augen. Mit dem Mars laesst sich halt kein grosses Geld verdienen.
Bevor man einen Beitrag letztendlich abschickt sollte man ihn sich noch ein letztes Mal durchlesen und sich dabei überlegen ob man ihn genau in diesem Wortlaut auch Abends seinem Partner und/oder Kindern ohne Bedenken vorlesen würde.

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11603 am: 10. August 2026, 20:17:21 »
Aktuell habe ich ein bisschen das Gefuehl, dass Musks Fokus ein bisschen vom Mars auf KI verschoben hat. Aber KI ist halt auch gerade das Hot Topic und damit bekommen die Aktionaere grosse Augen. Mit dem Mars laesst sich halt kein grosses Geld verdienen.
Das stimmt schon, aber nach wie vor denke ich, das ist für Musk alles Mittel zum Zweck.

Er hat im Laufe der Jahre eine Menge Gespür dafür entwickelt, wie er verschiedene Aktionen so aufeinander aufbauen kann, dass sich immer größere Synergien entwickeln, die das große Ziel Mars näher bringen.

Zum Mars wollte er nie, um da Geld zu verdienen; vor über zwanzig Jahren wollte er doch "nur" mit einer russischen Rakete ein Test-Gewächshaus zum Mars schicken! - sondern um die Menschheit "multiplanetar" zu machen. Das ist eine fixe Idee und hat sich sicher nicht verflüchtigt.

Kann man glauben oder nicht, und politisch ist er mir zuwider - wobei das vielleicht auch nur Mittel zum Zweck ist, wie einst bei von Braun? - aber Visionen hat und lebt er, und das ist schon bewunderswert.
Mehr Δv, weniger Drama. Mich überzeugen Daten, nicht Lager.

*

Offline alepu

  • *****
  • 14091
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11604 am: 10. August 2026, 22:54:14 »
Musk ging es, soweit erkennbar, noch nie darum "Geld zu verdienen", soll heißen "persönlich reich zu werden".
Geld ist für ihn nur immer Mittel zum Zweck, kein "Selbstzweck" und sobald er genügend davon hat, investiert er es in seine Projekte.
Sein Lebensinhalt ist nicht der reichste Mensch zu werden, sondern er ist ein Getriebener, besessen von seinen zahlreichen Ideen, die er verwirklichen muß, u.a um sein großes Ziel zu erreichen, und das kostet nunmal ein riesiges Vermögen.
Ihn interessiert nicht, ob es auf dem Mars Geld zu verdienen gibt, sondern höchstens woher er all das Geld bekommen kann, um da möglichst schnell eine selbstversorgende Stadt zu errichten. Und dabei stören eben u.a. Gewerkschaften und all die modernen demokratischen Vorschriften und humanen Regeln. Er sieht wie toll und schnell es z.B. im diktatorischen China funktioniert und wie auch ein radikaler amerikanischer Präsident die Dinge vorantreiben kann, und all dies benützt er (schamlos?) für seine Ziele und Zwecke.
Geld, Menschen (u.a. Politiker!), Ideen, Maschinen... alles nur Hilfsmittel zur "Selbstverwirklichung" (und hier ganz ohne Esoterik, sondern ganz banal im täglichen Leben!)

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11605 am: Gestern um 08:04:18 »
Das ist wahrscheinlich eine Mischung aus dem, was seine Biografen und Journalisten sagen, und eigener Analye? Ich habe ein paar Bücher gelesen, in denen es auch darum geht, und würde mich in weiten Teilen anschließen. Ja, schamlos und moralisch fragwürdig. Vermutlich geht es nicht anders, was aber nichts beschönigen soll. Trübt auch immer wieder die Freude über diesen massiven Push in der Raumfahrt, den er angestoßen hat.
Musk müsste mal wieder auf einem Kongress eine wilde Präsentation über seinen Marstraum halten, aber offenbar läuft das meiste nun unter dem Radar. Womöglich schadet so ein wilder Ritt dem Aktienkurs, denn die Anlieger wollen Gewinn sehen, nicht Marsbesiedelung.  ???
Mehr Δv, weniger Drama. Mich überzeugen Daten, nicht Lager.

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11606 am: Gestern um 09:08:22 »
Ist zwar OT aber das mit dem Mars nehme ich dem EM nicht mehr ab. Entweder er wartet noch tianwen-3, MMX und Rosalind Franklin ab, um dann ein eigenes Klein-Projekt (unbemannt) (aus der Portokasse) zum Mars zu starten oder das mit dem Mars ist reines Marketing, um idealistische Investoren zur Finanzierung von Starship zu bekommen.

Historie: mit dem Versprechen der Mission Dear-Moon gab's viele idealistische Investoren, die die Entwicklung von FH finanzierten. Als FH dann mal anstaendig flog, war Dear-Moon in der Versenkung verschwunden. FH wird seither nur als Satellitenfrachter genutzt (Ausnahme: Europa-Clipper).

Impact: Mit FH haette Artemis-I viele Jahre frueher gestartet werden koennen. (Die NASA haette nach Dear-Moon aus Zugzwang Artemis-I auf FH starten muessen).
HLS oder BM-MK-2? Das Rennen um die Mondlandung ist im vollen Gange - Ausgang immer noch ungewiss.

Mondraketen im Wettstreit: SLS, CZ-10 und Soyuz-5 Super Heavy (Yenisei) -- es ist spannend wie nie zuvor

Offline Mojschele

  • ****
  • 411
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11607 am: Gestern um 09:44:13 »
Nur so prinzipiell, weils mir persönlich passiert ist: Hab in einem, tja heute würde man TechStartUp sagen, gearbeitet und die Kurven, wie sich das Geschäft entwickeln wird, waren auch so tolle Exponentialkurven. Jahre später, als ich die Firma quasi abzuwickeln hatte, bekam ich Zugriff auf diese Präsentationen... in den Tabellen hinter diesen Kurven waren zwar tatsächlich reale Anfangswerte, alle Punkte in der Zukunft aber einfach nur mit dem gleichen Faktor hochmultipliziert. Ohne irgendwelchen Bezug zur Realität, keine Marktstudien, Kundenbefragungen, nichts - einfach nur pure Mathematik.
Ich unterstelle SX so ein Vorgehen nicht, aber sind die Zahlen realistisch (da gibt es einige hintereinander verschachtelter Wenn-Dann Annahmen) Als Telsakunde habe ich die damaligen Aussagen zur exponentiellen Geschäftsentwicklung  interessiert zur Kenntnis genommen - die sich auch nur kurz Bewahrheitet haben, aktuell ist man über k>0 froh. Und EM klang damals wie heute ziemlich gleich!

Jetzt zum philosophischen Teil: In einer Welt die mit endlichen Ressourcen auskommen muss, sind exponentiale Entwicklungen nie von langer Dauer. Und zumindest die Entwicklungen in der Technik sollten ja für die Menschen sein - aber die Rasanz die mit exp. Entwicklungen einhergeht überfordert einen Großteil der Bevölkerung (von der Umwelt ganz zu schweigen)   Damit will ich sagen, selbst wenn - und mMn ist das ein großen WENN - SpaceX das Starship so rasch hochskalieren kann wie geplant, überschauen wir die Veränderungen und Verwerfungen die damit in Gesellschaft, Arbeits- und Umwelt einhergehen werden nicht mal Ansatzweise (1M KI-Sats!). Mir bleibt der Jubel über diese Entwicklung daher im Halse stecken und ist auch der Grund für meine kritischen Beiträge - sorry dafür und für den ins /offtopic abtriftenden Beitrag.

Offline Mojschele

  • ****
  • 411
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11608 am: Gestern um 09:48:02 »
Ist zwar OT aber das mit dem Mars nehme ich dem EM nicht mehr ab. Entweder er wartet noch tianwen-3, MMX und Rosalind Franklin ab, um dann ein eigenes Klein-Projekt (unbemannt) (aus der Portokasse) zum Mars zu starten oder das mit dem Mars ist reines Marketing, um idealistische Investoren zur Finanzierung von Starship zu bekommen.
Da nehme ich EM ausnahmsweise mal in Schutz - mit seinen Marsplänen verschreckt er eher Investoren als dass er sie gewinnt. Grund: Es gibt kein realistische Geschäftsmodell für eine Marskolonie. So eine Kolonie wirft keinen Gewinn ab - was sollen die dort produzieren das man gewinnbringend verkaufen könnte??
Er ist persönlich daran interessiert - ob immer noch so stark wie vor 5 oder 10 Jahren kann ich allerdings nicht beurteilen.

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11609 am: Gestern um 10:44:46 »
Ein Geschaeftsmodell fuer eine Marskolonie ist vor tianwen-3 und MMX eher SciFi. Sollten wertvolle Erze/Metalle beim Sample-Return von Mars oder Phobos gefunden werden, dann koennte schnell ein Business-Case erstellt werden.

Beim Mond sind wir (leider) deutlich weiter: ausser He3 gibt's dort nichts, was es in aehnlicher Konzentration auch auf der Erde gibt. Der Mond als Ziel ist somit nur zum Ueben fuer kuenftige Missionen zum Mars und zu anderen Himmelskoerpern im Sonnensystem nuetzlich.
HLS oder BM-MK-2? Das Rennen um die Mondlandung ist im vollen Gange - Ausgang immer noch ungewiss.

Mondraketen im Wettstreit: SLS, CZ-10 und Soyuz-5 Super Heavy (Yenisei) -- es ist spannend wie nie zuvor

Offline FlyRider

  • *****
  • 1514
    • Mein Makerspace
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11610 am: Gestern um 11:23:34 »
Ein Geschaeftsmodell fuer eine Marskolonie ist vor tianwen-3 und MMX eher SciFi. Sollten wertvolle Erze/Metalle beim Sample-Return von Mars oder Phobos gefunden werden, dann koennte schnell ein Business-Case erstellt werden.

Mit fällt ehrlich gesagt kein Rohstoff ein, der auch nur ansatzweise dazu geeignet wäre, aus einem Abbau am Mars ein Geschäftsmodell zu machen.

Mit einer Marskkolonie Geld verdienen zu wollen ist pure Fantasie, heute und auch in 50 Jahren noch. Selbst wenn der Transport gar nichts mehr kosten sollte, allein der Betrieb einer Station auf dem Mars ist so teuer, dass sich das niemals rechnen wird. Ess sei denn, die 10 reichsten Menschen der Welt wollen dort gemeinsam ihre Kohle raushauen ... dann müssten sich aber EM und Jeff eine Station teilen  ;D

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11611 am: Gestern um 11:36:01 »
Ein Geschaeftsmodell fuer eine Marskolonie ist vor tianwen-3 und MMX eher SciFi. Sollten wertvolle Erze/Metalle beim Sample-Return von Mars oder Phobos gefunden werden, dann koennte schnell ein Business-Case erstellt werden.

Mit fällt ehrlich gesagt kein Rohstoff ein, der auch nur ansatzweise dazu geeignet wäre, aus einem Abbau am Mars ein Geschäftsmodell zu machen.
....

Ich meine Metalle der Platingruppe -- zumeist vergesellschaftet mit Eisen. Ob diese auf Mars oder Phobos in hoeherer Konzentration als auf der Erde vorhanden sein sollten, ist unbekannt, aber (noch) nicht voellig unwahrscheinlich.
HLS oder BM-MK-2? Das Rennen um die Mondlandung ist im vollen Gange - Ausgang immer noch ungewiss.

Mondraketen im Wettstreit: SLS, CZ-10 und Soyuz-5 Super Heavy (Yenisei) -- es ist spannend wie nie zuvor

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11612 am: Gestern um 14:19:45 »
Ein Geschaeftsmodell fuer eine Marskolonie ist vor tianwen-3 und MMX eher SciFi. Sollten wertvolle Erze/Metalle beim Sample-Return von Mars oder Phobos gefunden werden, dann koennte schnell ein Business-Case erstellt werden.

Mit fällt ehrlich gesagt kein Rohstoff ein, der auch nur ansatzweise dazu geeignet wäre, aus einem Abbau am Mars ein Geschäftsmodell zu machen.
....

Ich meine Metalle der Platingruppe -- zumeist vergesellschaftet mit Eisen. Ob diese auf Mars oder Phobos in hoeherer Konzentration als auf der Erde vorhanden sein sollten, ist unbekannt, aber (noch) nicht voellig unwahrscheinlich.
Wir müssen meiner Meinung nach drei Fälle auseinanderhalten:

1. Abbau zur Lieferung auf die Erde:
Sehr, sehr begrenzt. Helium-3 braucht heute noch niemand in größeren Mengen; mal sehen ob jemals. Damit sich Gold, Platin usw. über ein paar Kleinmissionen hinaus lohnen, müsste eine größere Menge gefördert werden, im zig-Tonnen-Maßstab, was dann direkt den Markt kaputt macht.

Das hat schon Jules Verne in "Die Jagd nach dem Meteor" 1901 richtig erkannt, wo die Weltwirtschaft schon durch die Ankündigung eines Goldmeteors ins Chaos gestürzt wird. In "Ein Stern fiel vom Himmel" von Hans Dominik, 1934, das ich kürzlich nochmals gelesen habe, wird das Problem dadurch gelöst, dass Deutschland sich heimlich große Mengen Gold von einem abgestürtzen Meteor verschafft, den Rest vernichtet, und das dann ganz langsam auf den Markt bringt, um die Staatsschulden abzuzahlen.

2. Abbau für Treibstoffgewinnung vor Ort: Das kommt wahrscheinlich zuerst, vor allem Wasser.

3. Abbau für Rohstoffe, die im All verwendet werden. Eisen, Mangan, vor allem Titan. Für eine wachsende Weltall-Industrie, ob im Erdorbit, auf dem Mond oder Mars, können wir nicht immer weiter Material von der Erde raufschicken, nicht einmal wenn die Preise nochmal um zwei Zehnerpotenzen fallen.

Für 2 und 3 jetzt schon mal die Technologien zu entwickeln ist kritisch, wenn man dann, wenn es soweit ist, nicht im Hintertreffen sein will.
Aber irgendein Geschäftsmodell für größeren Abbau zur Lieferung zur Erde, erst recht von Mars, ist meiner Einschätzung nach völlig illusorisch. Marskolonisten können sich nicht, wie einst mit Biberfellen, Tabak und Baumwolle, den Nachschub bezahlen lassen. Abbau dort und auf dem Mond dient eigenen Zecken, um wenigstens etwas unabhängig zu werden.

Und um die Kurve zum Thema zu bekommen: Im Unterschied zu Starlink, Starmind usw. ist die Marskolonisierung eben kein Geschäftsmodell. Die Entwicklung von Starship mag neue Geschäftsfelder versprechen, aber das Primärziel sind, ganz platt, ewiger Ruhm und interplanetare Menschheit.
Mehr Δv, weniger Drama. Mich überzeugen Daten, nicht Lager.

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11613 am: Heute um 09:39:29 »
2. Abbau für Treibstoffgewinnung vor Ort: Das kommt wahrscheinlich zuerst, vor allem Wasser.

Die Autarkie bezueglich Treibstoff ist fuer eine Mars-Kolonie noch das einfachste Problem. Viel schwieriger ist das Problem der Autarkie in der "Landwirtschaft": Hierzu ist folgende grundsaetzliche Frage noch ungeloest: "Keimen Samen im Marsboden?". (vgl. Mond: In Regolith+Duenger tun sie es (vgl. Chang'e-3)).

Zu allererst aber sollten folgende 2 Fragen beantwortet werden: "1. Welche Vorteile bietet der Mars gg. anderen Himmelskoerpern im Sonnensystem? 2. Welche Vorteile bietet der Mars gg. dem Erdmond?" -- tianwen-3 und MMX koennten vielleicht die Frage-2 beantworten.

Erst nach Beantwortung einer der beiden oben gestellten Fragen laesst sich die eigentlich alles entscheidende Frage beantworten: "Ist das Vorhaben der Mars-Society -- und somit die Grundidee von EM/SX sinnvoll"
HLS oder BM-MK-2? Das Rennen um die Mondlandung ist im vollen Gange - Ausgang immer noch ungewiss.

Mondraketen im Wettstreit: SLS, CZ-10 und Soyuz-5 Super Heavy (Yenisei) -- es ist spannend wie nie zuvor

Offline FlyRider

  • *****
  • 1514
    • Mein Makerspace
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11614 am: Heute um 10:54:19 »
2. Abbau für Treibstoffgewinnung vor Ort: Das kommt wahrscheinlich zuerst, vor allem Wasser.

Die Autarkie bezueglich Treibstoff ist fuer eine Mars-Kolonie noch das einfachste Problem.

Lebensmittel kann man zunächst mal von der Erde bringen. Sollte es irgendwann mal eine Station auf dem Mars geben, wird das am Anfang sicherlich so sein.

Das Treibstoffproblem kann man nicht umgehen und mit "einfach" hat das gar nichts zu tun. Das ist auch meine Hauptkritik, wenn EM mal wieder irgendwelche wirren Zeitpläne raushaut: Wenn man wirklich in der näheren Zukunft (<10 Jahre) bemannt zum Mars fliegen wollte, müsste man sich schon längst praktisch, nicht nur theoretisch, damit auseinandersetzen.

Praktisch bedeutet: man benötigt Technologie zum präzisen Aufspüren von Wassereis, man benötigt hochgradig mobile Roboter für den Abbau des Wassereises. Man benötigt am Mars die Technologie, um Methan aus Wasser & CO2 herzustellen. Das Ganze hat industrielle Dimensionen, wir reden ja nicht von paar Kilogramm sondern von Hunderten von Tonnen Methan und LOX. Dazu kommt die langfristige Lagerung.

Und nicht zuletzt müsste das Ganze komplett robotisch erfolgen. Mir wäre es jedenfall viel zu riskant, damit erst nach einer Landung einer Crew zu beginnen. Genaugenommen sollte man sowas redundant machen.

Damit benötigt allein die Treibstoffherstellung eine Infrasktruktur auf einem fremden Himmelskörper, die es bis heute nicht mal ansatzweise gibt. Somit sehe ich auch in den nächsten 10 Jahren auf keinen Fall eine bemannte Marslandung und die aktuellen Ankündigungen von EM sind für mich genauso substanzlos wie die Ankündigung von vor 10 Jahren (wer erinnert sich noch? EM hatte 2016 bereits die bemannte Marslandung für 2024 angekündigt).

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11615 am: Heute um 11:19:12 »
Etwas ermattet vom Lesen der oben engagiert vorgebrachten Gedanken, Schlussfolgerungen und ernst genommenen Phantasien greife ich eine ganz einfache Frage auf: Welchen Vorteil hätte es gegenüber unserem vergleichsweise paradiesischem Leben auf der Erde, auf dem Mars zu leben (zu versuchen)?
Komischerweise zieht niemand in die Sahara wo es auch kein Wasser und keine Lebensmittel gibt. Und wo man tagsüber irgendwann draußen stirbt und nachts erfriert..... die Motivation "weil wir es könnten" scheint irgendwie nicht zu verfangen.

*

Offline alepu

  • *****
  • 14091
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11616 am: Heute um 11:35:19 »
Auch in der Wüste leben Menschen.
Auf dem Mars muß man sich seine Oase halt nur selbst bauen.
Nicht alle Menschen fragen nach banalen "Vorteilen", sondern viele folgen eben ihrer menschlichen Natur.
Und nicht alle Menschen werden auf dem Mars leben (wollen).
Es war schon immer nur eine verschwindend geringe Anzahl an echten Pionieren, die aber schließlich die ganze Menschheit vorangebracht hat.
Der Mars ist doch nur eine weitere Stufe auf einer langen Leiter.

BildungsBurki
Wir machen das übrigens nicht "weil wir es könnten", sondern wir müssen das tun (warum auch immer!) und versuchen alles, damit wir es auch können!
Also genau andersrum!!!

Nicht nur EM ist ein "Getriebener", er trägt nur diese eigentlich typisch menschlichen Gene besonders ausgeprägt.

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11617 am: Heute um 11:47:02 »
2. Abbau für Treibstoffgewinnung vor Ort: Das kommt wahrscheinlich zuerst, vor allem Wasser.

Die Autarkie bezueglich Treibstoff ist fuer eine Mars-Kolonie noch das einfachste Problem.

....

Damit benötigt allein die Treibstoffherstellung eine Infrasktruktur auf einem fremden Himmelskörper, die es bis heute nicht mal ansatzweise gibt. Somit sehe ich auch in den nächsten 10 Jahren auf keinen Fall eine bemannte Marslandung und die aktuellen Ankündigungen von EM sind für mich genauso substanzlos wie die Ankündigung von vor 10 Jahren (wer erinnert sich noch? EM hatte 2016 bereits die bemannte Marslandung für 2024 angekündigt).

Zunaechst wird zuerst je ein Tanker auf den Marsboden und 1 Tanker in den Marsorbit gebracht. Dann bemannt mit Flag&Footstep fuer wenige Minuten gelandet und dann wieder heimgeflogen. ====> moeglich in 10-20 Jahren

Viel spaeter: eine Station (vergleichbar mit Neumayer Station -- nur viel kleiner)  ===> in 30 Jahren

Noch viel spaeter: eine Marskolonie (autark in Treibstoff und Lebensmittel) -- oder schlimmer: wie die Pilgrim Fathers, die vor Cape Cod dann ihre Schiffe verbrannten, um eine New World aufzubauen (Treibstoffe spielen dann gar keine Rolle -- nur Autarkie fuer Lebensmittel ist dann ein Thema) ===> in fruehestens 50 Jahren (da lebt mit Sicherheit EM nicht mehr!!! Aber bei Menschheitsprojekten: 500 Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch Leif Ericson hatte erst Amerigo Vespuci nachhaltigen Erfolg -- Erfolg ist meist leistungslos)
HLS oder BM-MK-2? Das Rennen um die Mondlandung ist im vollen Gange - Ausgang immer noch ungewiss.

Mondraketen im Wettstreit: SLS, CZ-10 und Soyuz-5 Super Heavy (Yenisei) -- es ist spannend wie nie zuvor

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11618 am: Heute um 11:48:26 »
Ohne dir zu nahe treten zu wollen. Dies pauschalen Aussagen ignorieren die schlichte Tatsache, dass es Dinge gibt, die unmöglich sind und dies in der Vergangenheit immer wieder von "Idealisten" (oder waren da nicht auch Ignoranten dabei?) durch Scheitern bewiesen wurden.

*

Offline alepu

  • *****
  • 14091
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11619 am: Heute um 11:56:57 »
Dinge sind "unmöglich", wenn sie den physikalischen bzw Naturgesetzen widersprechen....
Alles andere ist nur eine Frage der menschlichen Fähigkeiten.
(Zur Not baut sich der Mensch eine KI/Roboter, die dann noch leistungsfähiger ist/sind als er selbst)
Es gibt noch viel mehr, was jahrtausendelang als unmöglich galt und nur weil es "Ignoranten" immer wieder versucht haben, ist es heute ganz banale Realität.

Der Mensch scheitert nur so lange, bis er herausgefunden hat, wie es eben tatsächlich geht!

Zum Thema:
SX ist gerade dabei herauszufinden wie es geht und den Schritt vom "Idealisten"(Ignoranten?) zum Realisten zu machen.

Offline failsafe

  • *****
  • 1733
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11620 am: Heute um 12:03:19 »
.. Und nicht zuletzt müsste das Ganze komplett robotisch erfolgen. Mir wäre es jedenfall viel zu riskant, damit erst nach einer Landung einer Crew zu beginnen.

Die passenden Filmchen dazu gibt es schon, z.B. hier von offworld:
"KI-Schwarmroboter von OffWorld: Die Zukunft des Mondbergbaus ?"
(immerhin mit Fragezeichen ..)


Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11621 am: Heute um 12:05:39 »
Ohne dir zu nahe treten zu wollen. Dies pauschalen Aussagen ignorieren die schlichte Tatsache, dass es Dinge gibt, die unmöglich sind und dies in der Vergangenheit immer wieder von "Idealisten" (oder waren da nicht auch Ignoranten dabei?) durch Scheitern bewiesen wurden.

Unmoeglich? Moeglich ist sehr viel -- bei unendlichen Resourcen und unendlicher Zeit. "Unmoeglich" ist alles eine Frage der Zeit: vor der Verwendung von ReBCo Supraleitern (ab 2000) war die Kernfusion eher unmoeglich -- heutzutage eher fraglich.
HLS oder BM-MK-2? Das Rennen um die Mondlandung ist im vollen Gange - Ausgang immer noch ungewiss.

Mondraketen im Wettstreit: SLS, CZ-10 und Soyuz-5 Super Heavy (Yenisei) -- es ist spannend wie nie zuvor

Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11622 am: Heute um 12:09:57 »
Musk müsste mal wieder auf einem Kongress eine wilde Präsentation über seinen Marstraum halten

Kaum schreibe ich sowas, kommt direkt ein Vortrag von Elon Musk:

https://publish.x.com/?query=https%3A%2F%2Ftwitter.com%2FSpaceX%2Fstatus%2F2087283977866379361&widget=Video

Der wird hier doch nicht mitlesen ???

Ein erfreulich unaufgeregter Musk gibt vor seinen Mitarbeitern einen "Company Talk" und kündigt an, das ab jetzt alle 3 Monate zu tun.

Der Vortrag wird angekündigt mit

"Wir haben Raketen wiederverwendbar gemacht und bauen das Internet im Weltraum neu auf. Die nächste Herausforderung: das Leben auf mehrere Planeten auszuweiten und die wahre Natur des Universums zu verstehen."

Die alte Vision lebt also noch.  :D

Es beginnt mir einem selbstironischen Rückblick auf die Anfänge von SpaceX, samt "epischem" Zusammenschnitt der schönsten Fehlschläge. :P

Nach der Ankündigung "we are making Star Trek real" wirft Musk wie gewohnt mit großen Zahlen und großen Prognosen um sich.

"Die Zukunft ist KI und Roboter",

"300-500 Milliarden Gewinn ab Ende nächsten Jahres" allein durch in Aufbau befindliche KI-Services im Bereich von 10 GW.

"Die Zukunft der KI liegt im All", mittelfristig Fabrikation der KI-Sats auf dem Mond und Launch mittels Massenbeschleuniger.

Nächster Schritt unserer Zivilisation sei, durch solche Massenfertigung außerhalb der Erde die meiste Energie der Sonne zu nutzen, im Ernst und wörtlich: eine Typ-II-Zivilisation auf der Kardaschow-Skala.

Also noch eine paar Größenordnungen über Mars-Besiedelung!  ;D
Was kommt dann im nächsten Vortrag??

Genau das, was wir von einem Elon Musk erwarten.
Visionär oder durchgeknallt oder beides?

In beiden Fällen aber jetzt schon mit hunderten Milliarden ausgestattet, um es zu versuchen.

Am Ende verspricht Musk allen Mitarbeitern, dass sie noch zu Lebzeiten auf Mond oder Mars reisen können, wenn sie es wollen. Also, wer das möchte, bewerben!  ;)

PS das Video ist bei mir sehr leise, ich musste vorhin beim Frühstück langsam kauen, um alles zu verstehen

PPS So ziemlich alle, die in den letzten Jahrhunderten pauschal behauptet haben, irgendwas sei grundsätzlich unmöglich, wurden früher oder später eines Besseren belehrt. Oft früher  ;)
Mehr Δv, weniger Drama. Mich überzeugen Daten, nicht Lager.

Offline FlyRider

  • *****
  • 1514
    • Mein Makerspace
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11623 am: Heute um 12:24:35 »
Zunaechst wird zuerst je ein Tanker auf den Marsboden und 1 Tanker in den Marsorbit gebracht. Dann bemannt mit Flag&Footstep fuer wenige Minuten gelandet und dann wieder heimgeflogen. ====> moeglich in 10-20 Jahren

Das wird so nicht funktionieren! Starship V3 hat vollgetankt 2300 Tonnen Treibstoff an Board, sagt die Google - KI:

"Die gestreckte Version 3 des SpaceX Starships fasst etwa 2.300 Tonnen Treibstoff (flüssiges Methan und Flüssigsauerstoff). Das theoretische Δ v (Delta-v) eines vollgetankten Starships im Orbit liegt je nach Nutzlast und Triebwerkseffizienz (Raptor 3) bei rund 6,9 bis über 7 km/s".

Für den Mars benötigt man ca 5 km/s, also müsste ein Starhip zu 5/7 vollgetankt sein, das wäre rund 1640 Tonnen. Damit müsste man (Stand heute) ca. 16 Tanker auf dem Mars landen.

*

Offline alepu

  • *****
  • 14091
Re: SpaceX - Diskussion
« Antwort #11624 am: Heute um 12:50:38 »
Dachte ich auch sofort beim Lesen.
Und auch das "für wenige Minuten gelandet" ist total unrealistisch.

SpaceSil
Danke für den Link und die Zusammenfassung.

PS
Versuche es mal mit Zeitungslesen beim Frühstücken!
Du weißt schon, so wie früher!
Dabei kannste dann auch viel schneller kauen!
 ;)