Bemannter Marsflug -- psychisch-/physische Auswirkungen auf die Astronauten

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Bemannter Marsflug -- psychisch-/physische Auswirkungen auf die Astronauten:

Der einfache Flug geht >1 Jahr.

Wie sieht es mit der Strahlendosis aus?
Wie sieht es mit den psychischen Wirkungen aus?
Ist dies schlimmer als 1-2 Jahre auf der ISS?
HLS oder BM-MK-2? Das Rennen um die Mondlandung ist im vollen Gange - Ausgang immer noch ungewiss.

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Offline Nitro

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Bemannter Marsflug -- psychisch-/physische Auswirkungen auf die Astronauten:

Der einfache Flug geht >1 Jahr.

Wie sieht es mit der Strahlendosis aus?
Wie sieht es mit den psychischen Wirkungen aus?
Ist dies schlimmer als 1-2 Jahre auf der ISS?

Wesentlich schlimmer. Die ISS fliegt im Strahlenschutz des Erdmagnetfeldes, das faellt auf der Route zum Mars weg. Man braucht hier also einen kuenstlichen ein Strahlenschutz, welcher in das jeweilige Raumschiff integriert ist. Eine oft genannte Variante ist hier z.B. das Brauchwasser fuer die Besatzung in Zwischenwaenden um die Crewkabine zu lagern. Dadurch entsteht ein natuerlicher Strahlenschutz, ohne zusatzliches Gewicht zu verursachen.

Was auch gerne vergessen wird ist die psychische Belastung durch den interplanetaren Trip. Hier geht es weniger um die zwischenmenschliche Isolation und den engen Raum, als die Tatsache dass man keinen Bezugspunkt mehr hat. Auf der ISS kann die Besatzung jederzeit aus dem Fenster sehen und hat die Erde unter sich, die Heimat.
Beim Flug zum Mars ist sie schon nach wenigen Tagen nur noch ein kleiner Punkt von vielen im Raum. Diese auch optische Isolation kann schlimme Auswirkungen auf die Psyche des Menschen haben. Hier ist es also wichtig, z.B. mit VR, Projektiosnflaechen oder aehnlichen Techniken, der Besatzung einen Ruhepol bieten zu koennen.
Bevor man einen Beitrag letztendlich abschickt sollte man ihn sich noch ein letztes Mal durchlesen und sich dabei überlegen ob man ihn genau in diesem Wortlaut auch Abends seinem Partner und/oder Kindern ohne Bedenken vorlesen würde.

Waere eine art von Hibernation eine Moeglichkeit, psychische Belastungen zu minimieren, da die Astronauten dann in einen monatelangen Schlaf gelegt werden?
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Offline alepu

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Technisch bestimmt machbar, wird ja auch bereits in medizinischen Sonderfällen als "künslicher Schlaf" auf der Erde in Intensivstationen durchgeführt.

Praktisch in einem Raumschiff allerdings zz noch schwer realisierbar, denn wer sollte das überwachen? Roboter sind noch nicht ganz so weit und medizinisches Personal würde ja auch unter dieser "optischen Isolation" leiden, könnte also psychisch erkranken und wäre dabei auch noch für das Leben der ihnen anvertrauten Besatzungsmitglieder verantwortlich.

Wird vermutlich irgendwann Mal kommen, aber noch ist es SF

Hibernation muss kommen, will man irgendwann weiter weg.

Offline Mojschele

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Beim Flug zum Mars ist sie schon nach wenigen Tagen nur noch ein kleiner Punkt von vielen im Raum. Diese auch optische Isolation kann schlimme Auswirkungen auf die Psyche des Menschen haben.
Ich möchte hier auch gleich vorsorglich gegen das Argument der mittelalterlichen Entdecker schreiben 'die ja auch solche Strapazen erdulden mussten': am 6.9.1492 verließ Kolumbus den letzten bekannten Flecken Land.  Am 10.10. waren die Schiffsbesatzungen schon so derart entmutigt das eine Meuterei kurz bevor stand.
D.h. schon nach 35 Tagen ohne Bezugspunkt und mitten im Unbekannten war die Stimmung der Besatzung katastrophal schlecht.     
Im Gegensatz zur Schiffsbesatzung wissen aber unsere zukünftigen Marsfahrer, dass sie nicht einfach Umkehren können sondern auf Gedeih und Verderb der Trajektorie zum Mars ausgeliefert sind. Da brauchst schon seeehr stabile Typen als Besatzung.

Ich denke bei der Auswahl der Astronauten muss man auch etwas ändern:

Bisher wurden immer welche ausgesucht, die bei hohem Stress gut funktionieren.
Bei einem Marsflug müsste es eher genau andersrum sein, also welche die bei sehr niedrigem Stress (Langeweile) gut funktionieren und wahrscheinlich deswegen auch Isolation besser ertragen.

Ein Marsflug würde sowieso weitgehend automatisiert ablaufen, da braucht man die extrem hochbelastbaren (die aber anfällig auf Langeweile sind) eher nicht.

Die Gruppendynamik ist auch entscheidend, eine Crewauswahl unter diesen Extrembedingungen zu testen halte ich für absolut notwendig (simuliert wurde das ja schon öfter: z.B. wie bei "Biosphäre 2", nur sollte man bei der Kommunikation auch die entsprechenden Latenzen einbauen).
Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit Radius null - und das nennen sie ihren Standpunkt. (David Hilbert, deutscher Mathematiker 1862-1943)

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Offline alepu

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Eine sehr wichtige "Gegenmaßnahme" gegen diese mögliche "Langeweile" besteht in entsprechender "Beschäftigungstherapie". Da sind dann u.a. wieder Psychologen u.ä. "Stress -Manager/Beschäftigungstherapeuten" gefordert.

Gruppendynamik ist bei so langen Flügen auf begrenztem Raum dabei natürlich ein sehr entscheidende Faktor und wird nicht nur von der NASA bereits seit Jahren studiert.

Für das "Testen unter Extrembedingungen" sowohl der Besatzung wie der Ausrüstung bietet sich das Starship geradezu an.
Gerade weil die ersten interplanetaren Flüge voraussichtlich wohl doch auf einem Starship stattfinden werden und aufgrund der preiswerten Herstellung in großer Anzahl könnten dabei sogar gleichzeitig die unterschiedlichst ausgestatteten Schiffe entsprechende Langzeit-Testflüge durchführen.
Auf der Erde selbst lassen sich solche Tests immer nur in recht begrenztem Maß durchführen und die Ergebnisse sind nicht wirklich vergleichbar, schon alleine weil "die Erde im Hinterkopf immer noch da ist" und eben auch keine Schwerelosigkeit herrscht, ganz egal, ob es sich dabei um Höhlen-, Unterwasser-, Biosphären- oder Langzeitaufenthalte handelt. Wichtig sind diese Tests natürlich trotzdem, eben weil wir zZ  noch nix besseres haben und einige interessante Daten liefern sie allemal.

Apropos Stress:
Auch Langeweile kann sehr stressig sein, ebenso Probleme mit der Gruppendynamik und bei so einem technisch sehr anspruchsvollen Unternehmen kann sehr schnell ein echter Notfall eintreten mit entsprechendem Stress-Level!
« Letzte Änderung: Gestern um 20:54:44 von alepu »

Ich möchte hier auch gleich vorsorglich gegen das Argument der mittelalterlichen Entdecker schreiben 'die ja auch solche Strapazen erdulden mussten': am 6.9.1492 verließ Kolumbus den letzten bekannten Flecken Land.  Am 10.10. waren die Schiffsbesatzungen schon so derart entmutigt das eine Meuterei kurz bevor stand.
D.h. schon nach 35 Tagen ohne Bezugspunkt und mitten im Unbekannten war die Stimmung der Besatzung katastrophal schlecht.     
Im Gegensatz zur Schiffsbesatzung wissen aber unsere zukünftigen Marsfahrer, dass sie nicht einfach Umkehren können sondern auf Gedeih und Verderb der Trajektorie zum Mars ausgeliefert sind. Da brauchst schon seeehr stabile Typen als Besatzung.
Dafür wissen sie aber, wo es hingeht inkl. genauer Karten, wie lange es dauert, und was sie dort erwartet, mit ständigem Kontakt "nach Hause" und ohne die Gefahr, am Ende der Welt über die Kante zu fallen.
Das ist so nicht wirklich vergleichbar, außer dass es der ewige Entdeckerdrang des Menschen ist, der das antreibt.
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Offline alepu

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Sehr richtig, wobei dieser "ewige Entdeckerdrang" sicherlich bei allen Astro-Marsonauten, aber wohl nicht so sehr bei der Mannschaft des Kolumbus zu finden war.

Bleibt die Aussage: " nicht wirklich vergleichbar"

Offline Mojschele

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Natürlich hinkt jeder Vergleich, aber so schlecht is er für mich nicht.
Die Seefahrer glaubten am Anfang einfach nur ein neuer Weg zu etwas prinzipiell bekannten (Indien) zu finden - das Kolumbus Berechnungen absoluter Mist war (Portugals Königshaus verweigerte daher die Finanzierung, weil sie mit den tatsächlichen Erdabmessungen vertraut waren) und sie glücklicherweise auf dem letzten Abdruck den Doppelkontinent fanden is ja eine andere Geschichte.

Sie treten eine lange Reise an, die noch keiner zuvor gewagt hat, um etwas zu finden und zu betreten das prinzipiell bekannt ist. Das ganze mit begrenzten Ressourcen und ohne Aussicht auf schnelle bzw. überhaupt Hilfe.
Die größten Unterschiede sind die fehlende Kommunikation (als -) und die dreifach vorhandene Transporthardware (als +) bei Kolumbus.

Die größten Unterschiede sind die fehlende Kommunikation (als -) und die dreifach vorhandene Transporthardware (als +) bei Kolumbus.
Ja, und deshalb bin ich überzeugt, dass beim Erstflug zum Mars nicht ein Raumschiff, wie mal eine geplante Großversion der Orion, zum Einsatz kommen wird, sondern eine kleine Flotte. Ob nun Starships oder nicht. Dann ist das mit Spannungen innerhalb der Crews vielleicht auch dadurch abzufedern, dass es Crew-Austausche geben könnte.
Und, klar, je größer solche Schiffe sind, mit mehreren Räumen und Kabinen, mit denen man sich mal aus dem weg gehen kann, desto besser. Sporträume, Freizeiteinrichtungen, "10 Vorne"  ;)
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Offline alepu

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Der Vergleich hinkt noch mehr.
Die Astronauten sind hochintelligente, bestens ausgebildete und total informierte Spezialisten, die exakt informiert sind wie lange die Reise dauert und was sie erwartet.

Die Mannschaftsmitglieder des Columbus waren in jedem Punkt das Gegenteil. Das waren damals doch ganz andere Zeiten mit einem total anderen Welt-, Werte- und Menschenverständnis.
Ich spreche dabei ausdrücklich nicht von Columbus selbst und evtl noch seinen Offizieren. Die Mannschaftsmitglieder konnten auf Anweisung ein Segelschiff bedienen und nicht viel mehr. Das Essen war auch nicht das beste und die Angst vor Seeungeheuern u.ä. fest im allgemeinen Aberglauben verhaftet.

Der Ausdruck von Mosjschele sagt da sehr viel: "...mitten im Unbekannten..."
Aber gerade das trifft eben für moderne Raumfahrer nicht zu. Die wissen doch ganz genau wie, wo und warum es lang geht. Auch wenn da vorher noch nie ein Mensch gewesen war.

Offline Mojschele

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Als ob nicht jeder Astronaut so seine eigenen abergläubischen Rituale vor einem Start hat.   ;)

Ausgangspunkt war ja die Überlegung wie die Marsflieger die gut 2 Jahre hin- und retour geistig gesund überstehen. Und es gibt Beispiele das hochintelligente, bestens ausgebildete und total informierte Spezialisten diese lange Isolationszeit nicht unbedingt leicht überstehen - war doch vor kurzem in den Nachrichten, das es auf einer Arktisstation einen unguten Vorfall gegeben hat  8-O. Die Wissenschaftler dort, erfüllen Alepu's Eigenschaften und haben im Vergleich zum Weltraum ein viel lebensfreundlicher Umwelt in der man sich die Beine vertreten kann plus eine Signallaufzeit <1sek und noch einige andere andere Vorteile.

Das Optimale für unsere Astronauten wäre, sie sind im Reisemodus dumbe Einfaltspinsel, die man mit Bauklötzen und Essen den ganze Tag lang genügend beschäftigen kann um dann bei Ankunft am Mares wieder auf Knopfdruck zu alepu's 'hochintelligente, bestens ausgebildete und total informierte Spezialisten' zu werden.
Ich bin überzeugt davon, dass das Durchdrehen in solch außergewöhnlichen Belastungsszenarien nur bedingt was mit Intelligenz und Ausbildung oder sinnvoller Beschäftigung zu tun hat. Alles davon kann zwar hilfreich sein... oder aber auch nicht.  :E

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Offline alepu

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Deine Argumente sind tatsächlich nicht so einfach von der Hand zu weisen.
Kommt natürlich in so einem Fall im Wesentlichen auf die Psyche an und nicht so sehr auf die Intelligenz.
Und hochintelligente Menschen sind oft auch hochsensibel.
Aber die von dir angeführte Meuterei der Mannschaft des Columbus hatte eben ganz andere Ursachen.