Raumcon
Sonstiges => Medien & Öffentlichkeit => Thema gestartet von: Spacelord am 21. März 2002, 18:10:31
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Ich bin mir sicher, dass es genügend Raumfahrtenthusiasten in Deutschland gibt. Es gibt Trekkies, Science Fiction Fans, Hobby-Astronomen, Modellraketenbauer etc., Ereignisse im Weltall finden große Beachtung (Kometen, Levy Shoemaker 9, Sojourner). Es fehlt der Kanal für die Begeisterung. Wie kann sich ein Enthusiast einbringen? Raumfahrt ist eigentlich kein Hobby bzw. kein Thema wie Umweltschutz oder Anti-Globalisierung.
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Hallo Spacelord,
Der Meinung bin ich auch. Im Gegensatz zur Hobbyastronmie mit ihrenm traditionsreichen und fast flächendeckenden Netz von Volksternwarten, Planetarien etc. gibt es für Raumfahrtbegeisterte in Deutschland noch keine ausreichenden Strukturen. Die Szene der NGO-Raumfahrt-Initiativen ist gerade erst dabei, sich zu formieren.
Wenn man "Umweltschutz" und "Anti-Globalisierung" schon als Hobby betrachten kann, was ist das Problem mit Raumfahrt?
Es liegt sicher mit daran, daß Raumfahrt für Otto Normalmöchtegernastronaut eher eine Zuschauerveranstaltung ist, während man in der Astronomie jedesmal ein Event zelebriert: Das Schauen ins All...
Es gibt verschiedene Wege, sich als Laie einzubringen. Ich engagiere mich z.B. im Verein zur Förderung der Raumfahrt e.V. (www.vfr.de) Unser "Hobby" sind quasi Projekte, mir denen wir die Leute für Raumfahrt interessieren und begeistern möchten.
Gruß, Stefan
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Ich bin ja selbst "Otto Normalmöchtegernastronaut" :D und sehe das Problem wirklich in der "technischen Schwelle" - Hobbyastronomie kann jeder betreiben, sich für ein paar Hunderter ein Teleskop für daheim kaufen und Jupiter angucken oder die Krater auf dem Mond zählen.
Und um das Klischee zu spinnen: Umweltschützer können sich an Kühltürme ketten und Antiglobalisten in Seattle Steine schmeissen, aber Raumfahrt ist eben für die meisten, wie richtig bemerkt wurde, eine "Zuschauerveranstaltung" - die allermeisten Menschen haben eben niemals die Chance, sich auch nur reelle Hoffnung auf einen echten Raumflug machen zu können und sehen gar keine Möglichkeit, da aktiv teilzuhaben.
Dazu kommt dann das allgemeine Vereinsdilemma: die meisten bekommen gerne ein fertiges Programm "vorgesetzt", selber wo mitmachen ist ja zeit- und geldintensiv. Zeit ist z.B. auch bei mir ein Faktor, der mich stark einschränkt, zumal ich aber auch andere Hobbies Pflege und deshalb freue ich ich auch über Angebote wie dieses hier!
Die Ansätze vie VfR oder auch sowas wie die MarsSociety finde ich da richtig und gut, aber sie müssen noch mehr raus aus den Universitäten in die Breite und rein in die Medien. Ich bin aber im Moment optimistisch, dass sich diese Entwicklung auf dem richtigen Weg befindet.
Mit was für Projekten solche Organisationen sich konkret bekannt machen könnten - schwer zu sagen, aber ich denke, gerade hier kann man sich vor allem die MarsSociety als gutes Beispiel nehmen. Ich hab sicher auch manche Zweifel an manchen Sachen, die die machen, aber sie sind auch in Deutschland immer stärker medial präsent und sowas wie FMARS ist natürlich für echte Enthusiasten eine "Hammeraktion" :).
Ich möchte aber ganz bewusst was zu Trekkies und sonstigen SF-Fans sagen: meines Erachtens sind viele von denen ehrlich gesagt nicht unbedingt wirklich Raumfahrtbegeistert. Gerade bei vielen Trekkies ist vor allem doch auch ein großes Sendungsbewusstsein für eine "schöne neue Welt" vorhanden, die ihnen durch die Serie vermittelt wird und die sie dann idealisieren...
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Es ist ja bezeichnend, dass es kein deutsches Team gibt, dass sich um den X-Prize bewirbt. Die deutschen Raumfahrtvereine sind nicht viel weiter gekommen, als es in den 30er Jahren der VfR mit Rudolf Nebel und dem Raketenflugplatz Tegel schon war.
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;) Wenn ich mir so anschaue,welch ein Medienecho die Umweltschützer hervorrufen,dann wundert es mich,dass die Raumfahrt ein so schlechtes Image hat!Wie glauben denn die Menschen,wird die Erde überwacht?Ohne Sateliten würde doch schon lange nihts mehr funktionieren!
Ganz besonders hat es mir da die X-Price Gruppe angetan!Nichts begeistert die Menschen so,wie exotische Reiseziele!Warum denn nicht einen Flug in den Orbit?
Darin sehe ich echte Zukunftschancen!
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Hi,
ich finde, die Medien sind ein gutes Stichwort. Wann wird denn mal z.B. in der Tagesschau über Raumfahrt berichtet - wenn mal eine spannende Shuttle-Mission ansteht höchstens. Der erfolgreiche Start des ESA-Klimasatelliten Envisat, für den jeder EU Bürger immerhin 7 Euro seiner Steuerabgaben bezahlt hat, hielt sich gerade mal einen halben Tag in den Nachrichten. Ich finde das zeigt eindrucksvol die derzeitige Situation, das in Deutschland besonders die einheimische bzw. die europäische Raumfahrt kaum Interesse findet. Und wenn doch dann eher die amerikanischen Projekte, die den Medien spektakulärer sind..
Grüße
Karl
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...und genau das scheint mir das Problem. Die amerikanischen Events sind spektakulärer, weil sie auf die Medien zugeschnitten sind (zumindest in dem Rahmen, in dem die NASA sich bewegen darf). In Europa und insbesondere in Deutschland ist dies nicht der Fall. Das DLR und die ESA haben hier eine Bringschuld. Wenn die Raumfahrtbehörden spektakuläre Ereignisse im Orbit inszenieren, die den Interessen der Medien entgegenkommen, werden diese automatisch mit ausgedehnter Berichterstattung antworten. Dies wird die Raumfahrt näher an jeden Bürger bringen (der Flug von Dennis Tito war die beste Marketing-Aktion für die ISS bislang). Das Problem ist, daß DLR und ESA immer noch glauben, Raumfahrt spräche quasi für sich selbst - und sich dann wundern, wenn sich Journalisten anderen Themen zuwenden. Heutzutage steht Raumfahrt als Event in Konkurrenz mit Ereignissen aus Sport und Musik und hat da schlechte Karten. Hier muß man gegensteuern. Provokant ausgedrückt: Wir brauchen den charismatischen, im Umgang mit den Medien professionell beratenen Astronauten, der wie ein Pop- oder Fußballstar vermarktet wird.
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So ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit läuft Raumfahrt dann doch nicht ab. Ich war letztes Jahr zweimal bei einem Vortrag von Gerhard Thiele. Beide Male war der Saal übervoll (>500) mit Menschen jeden Alters. Ich glaube eher, dass es in Deutschland/Europa an einem Mensch wie Robert Zubrin fehlt.
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Hi,
ich denke, es fehlt einfach an einer noch öffentlichkeits-näheren Berichterstattung. Man sollte die Projekte der ESA und des DLRs einfach "verspektakuläsieren" - also spektakulärer machen. Das hört sich zwar nicht so positiv an, ist aber, wie ich denke, der einzige Weg, die Bevölkerung auf die Raumfahrt in Europa aufmerksam zu machen. Denn Otto Normalbürger reagiert halt nur noch auf eine fette Bild-Schlagzeile oder einen fetten News-Flash auf RTL2. 8)
Grüße
Karl
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Hört sich ja Gut an was du da Vorschlägst Karl. Ich möchte blos zu bedenken gebendas die Starts der Arianne zu fast 100% bei uns mitten in der Nacht statfinden. Den ein Livestart wäre bestimmt Spektakulär aber auch nur wen die Rakete Zerbirst. :D
Und es stimmt auch nicht ganz das die DLR oder die ESA nichts für die Öffentlichkeit machen. Schaut euch doch mal deren Seiten an auf denen auch Texte zum Download stehen in denen die Raumfahrt leichtverständlich aufbereitet werden.
Cu NIck
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Hhmm. Da kann ich dir nur zum Teil zustimmen. Natürlich ist eine Öffentlichkeitsarbeit bei ESA und DLR vorhanden - und die Internetseiten gefallen mir auch besser als die der NASA, allerdings sind Nachtstarts kein Argument. Denn erstens startet die NASA auch des öfteren in der Nacht, zweitens hat keiner von Live-Übertragungen geredet. Es geht darum, das über die ESA besonders in den populärsten Medien (da ist das Fernsehen noch um einiges wichtiger als das Netz) einfach häufiger und vielleicht auch interessanter berichtet werden sollte - damit könnte man viel leichter mehr Leute für die Raumfahrt gewinnen, als durch gut gemeinte und gemachte Internetseiten - bzw. lieber im Verbund. ;)
Grüße
Karl
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Ok das Argument Verstehe ich und muß es auch anerkennen.
Das es mehr Berichte im Fernsehen geben könnte ist auch klar. Nur dan müßten auch Interesante und für Ottonormalbürger nachvolziehbare Missionen statfinden.
Was ich auch wünschenswert finde ist es mit den Technikern und Entwicklern der Raumfahrt mal Persöhnlich Diskutieren zu können.
Cu Nick
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Hallo,
in deinem Wunsch kann ich dich bestärken: Es wäre tatsächlich praktisch, persönlich mit "Raumfahrt-Persönlichkeiten" direkt sprechen zu können. Es ist ja unter anderem ein Ziel des Raumcon-Forums, die Akzeptanz der Raumfahrt zu vergrößern - also genau das, worüber wir diskutieren. Die Idee des Forums entstand auf einem Treffen, auf dem die komplette "Raumfahrt-Elite" Deutschlands anwesend war. Aus diesem Grund wird es wahrscheinlich schon in den nächsten Monaten den ersten Expertenchat geben, da wir in direkten Kontakt mit der Raumfahrtindustrie und den Raumfahrtorganisationen stehen. 8)
Viele Grüße
Karl
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...kann ich eine Liste der "kompletten Raumfahrtelite" bekommen ;-) ?
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Hi,
ich kann es dir nicht genau sagen, wenn du es ganz genau wissen willst, frage David Langkamp (http://mailto:david.langkamp@trekzone.de), der war für Raumfahrer.net anwesend.
Ich verstehe unter Raumfahrtelite das DLR, Astrium, ESA, diverse Raumfahrtvereine und Raumfahrtfirmen. Ist doch eindrucksvoll, oder..? ;)
Grüße
Karl
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Jedes Jahr im Oktober gibt es in ganz Deutschland eine Art "Wochenende der Raumfahrt" . Da gibt's dann von den verschiedenen Raumfahrtbetrieben und -initiativen bundesweit Veranstaltungen für die Oeffentlichkeit zum Thema Raumfahrt. In Berlin, Neubrandenburg, Stuttgart, Koeln, Bremen, München, ...... :)
Hab' bis jetzt leider noch keine genaueren Daten darüber. Sobald ich was hoere, melde ich mich ... :)
Kirsten
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Yep - auch wenn das eine andere Veranstaltung war, als ich meinte, hast du recht: Das ist eine interessante Geschichte. Ich habe noch eine Telefonkarte vom Tag der Raumfahrt im letzten Jahr.
Hier die Adresse: http://www.tagderraumfahrt.de/
Karl :)
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Ja - den Tag der Raumfahrt meinte ich, Karl. Hab' zufaellig heute Post darüber bekommen. Es findet wohl dieses Jahr am 28./29. September statt. Wahrscheinlich werde ich in Neubrandenburg dabei sein - vorerst geplant sind dort Steve Nagel, Linda Godwin, Patrick Baudry und Alexander Viktorenko.
Aber das weiss mensch soweit voraus nie so genau, ob die auch alle wirklich kommen.
Das Treffen, das Du meintest, war das zufaellig das ISS-Forum in Berlin im Juni 2001 ? Da war ich auch ... :) .
Kirsten
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Karl: ...war doch nur ein Spaß, mich störte nicht der Begriff "Elite" sondern das Wort "komplett" ;)
Bitte nicht weiter darüber diskutieren, war nur ironisch gemeint...
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Sicher gibt es viele Raumfahrtbegeistere, das Problem ist nur, dass es zuwenige sind und von diesen wenigen noch viele der Meinung sind, man könne selbst nichts tun.
Leider liegt da auch das Problem bei den Medien zum einen, weil diese oft mehr über die Kosten, als über den Nutzen berichten oder noch schlimmer nur über die Fehlschläge.
Zum anderen haben die Raumfahrtbehörden aber auch erheblich mitschuld an diesem Dilemma, weil sie jahrelang die Bevölkerung aus der Berichterstattung ausgeklammert haben und erst in den letzten Jahren sich hier aktiver engagieren.
Dann gibt es noch ein Problem:
Wir haben einige Vereine, die sich mit Raumfahrt beschäftigen, aber gerade viele der Bürger wollen sich nicht in Vereinen binden, regelmäßig Beiträge zahlen, sondern schlicht nur die Raumfahrt, bzw. bestimmte Projekte fördern oder unterstützen.
Warum also nicht mal den Versuch wagen und zu einzelnen Projekten direkte Spendenkonten errichten und diese über Internet, TV und Printmedien bekannt machen ( Aufgabe, Ziel, Planung, Kosten, Nutzen )? Das so gewonnene Geld käme direkt dem Projekt zu gute und würde Steuergelder einsparen helfen.
Gruß Roland
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Das es mehr Berichte im Fernsehen geben könnte ist auch klar. Nur dan müßten auch Interesante und für Ottonormalbürger nachvolziehbare Missionen statfinden.
Das sehe ich auch so und ich habe da schon eine Idee :D
Ich frage mich, ob es möglich ist, auf der ISS eine Fernsehsendung zu machen, sie live zu übertragen resp. aufzuzeichnen und zu Senden.
Eine Mischung aus Doku - der Moderator schwebt durch die Gänge und macht Erklärungen - und Talk-Show - Fragen an die Besatzung der ISS - wäre sinnvoll.
Mit einer ISS als "Fernsehstudio in Schwerelosigkeit" oder "Fernsehstudio im All" liesse sich mehr Aufmerksamkeit für die Raumfahrt gewinnen.
Wenn man als Moderator jemanden nimmt, der zugleich die Technik macht, würden die Kosten für so einen Event in der Grössenordnung der Reise von Dennis Tito zur ISS liegen, also ca. 20 Millionen Euro. Das ist zwar für Normalsterbliche astronomisch, aber eine im Medien-Business übliche Grössenordnung. Ist der Event (Film, Veranstaltung, Sportereignis ...) spektakulär genug, wird die Summe auch ausgegeben.
Falls die ISS schon medial ausgewertet wird, wäre ich für Hinweise von kundiger Seite dankbar. Ich habe auf einer ISS-Website nur einige Klips vom Inneren und von Astronauten beim Null-G-Training gefunden.
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Warum also nicht mal den Versuch wagen und zu einzelnen Projekten direkte Spendenkonten errichten und diese über Internet, TV und Printmedien bekannt machen ( Aufgabe, Ziel, Planung, Kosten, Nutzen )? Das so gewonnene Geld käme direkt dem Projekt zu gute und würde Steuergelder einsparen helfen.
Gruß Roland
Eine sehr gute Idee - sofern den Menschen klar ist, dass sie für ihre Spenden auch wieder etwas bekommen.
Ich glaube, in vielen Bereichen haben Spenden keinen so guten Ruf, weil sich
a. der Staat vor seiner Verantwortung für öffentliche Aufgaben drückt, in dem er sagt "die Bürger sollen spenden"
b. die Spender den Eindruck haben müssen, es sei alles nur ein Tropfen auf den heissen Stein und lindere die jeweilige Not überhaupt nicht
Vielleicht sollte man in Bezug von Raumfahrt nicht von "Spenden", sondern "Investitionen in die Zukunft" sprechen. Zudem sollten nicht nur Geldmittel gespendet werden können, sondern auch Arbeitsleistungen aller Art. Es gibt in D Millionen Frührentner und Arbeitslose mit vielfältigen Qualifikationen, die kein Geld aber ihre freie Zeit einbringen könnten.
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Hi,
ich denke dass eine weitere Schnittstelle geschaffen werden muss, um die Menschen dichter an die Raumfahrt zu bringen.
Dieses Forum ist sehr gut, und bietet vor allem Informationen. Ich glaube auch wie weiter oben schon erwähnt, dass die meisten Menschen das Gefühl haben alleine nichts bewirken zu können. Vor allem in der Raumfahrt. Man bräuchte eine Interaktive Schnittstelle (z.B. in Form einer Projektwebsite), an denen sich die Leute direkt auch an Projekten beteiligen können. So bräuchte man keine Spendenkonten etc. einrichten und könnte auch andere Bevölkerungsgruppen einbeziehen, da diese direkt Kontakt aufnehmen könnten zu den Projekten.
Es gibt soetwas sicherlich schon: kann mir jemand eine Seite sagen, in der konkrete Raumfahrt-Projekte oder Raumfahrtbezogene Projekte aufgeführt sind, und über die geneigte Inetsurfer Kontakt direkt mit den Projekten aufnehmen können?
Würde eine solche Seite Sinn machen?
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Hallo Gaia,
nur eine kleine Randnotiz: Du bist anscheinend gut darin, uralte Threads wieder auszugraben. ;)
Hast du eventuell deine Übersicht so eingestellt, dass die ältesten statt die neuesten Themen oben stehen?
Gruß Kreuzberga
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*g* nee, ich dachte nur, bevor ich hier das Forum zuspamme mit Themen die schon längst da waren, gehe ich einfach von hinten nach vorne und greife bereits vorhandenes auf. Eine Art Recycling könnte man sagen :P
Ist eventuell besser bevor jeder Bereich 100 Themenseiten hat... oder man macht mal einen Frühjahrsputz, und schmeißt das ein oder andere raus... ::)
aber schaut auch auf meinen vorhergehenden Beitrag ;)
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Danke Gaia, für's ausgraben... weil das ein wirklich beständiges Problem ist.
De facto hat man ein tolles Produkt... innovativ, abenteuerlich, zukunftsweisend - und jeder nutzt Raumfahrt und deren Errungenschaften. Trotzdem findet sie im verborgenen statt. Und ich glaube, das ist, nicht zuletzt, auch ein Marketingproblem. Raumfahrt bleibt abstrakt. Bedeutet: nicht emotional besetzt für die meisten.
Ich habe oft erlebt - wenn ich jemandem die ISS zeige am Nachthimmel... Faszination und staunen. Ich war mit einer Freundin bei EADS, die gar nichts mit Raumfahrt am Hut hat... sie war hochinteressiert im Columbusmodul. Mittlerweile mache ich kleine Videos für die Kinder einer anderen Freundin... wenn sie Weltraumfragen haben... "Sendung mit dem Shuttle", man kann nicht früh genug anfangen! ;)
Was denn, Saturn schwimmt auf Wasser... da staunen dann sogar Erwachsene. Was denn, wir haben einen humaoiden Roboter??? Wow!
Im Kontakt ist alles immer einfacher. Menschen lassen sich einfangen, beeindrucken, begeistern und behalten diese Eindrücke auch. Aber... das ist wahr... in den Medien gibt es kaum welche davon.
Und selbst das Material, das man bei YouTube findet ist ein PR-Desaster.
Mal ein Beispiel, das mich ärgert:
Das ist ein offizielles DLR-Präsentationsvideo. Der deutsche Akzent ist brachial, der Sprecher sicher besser an der Tastatur als am Mikro, die Machart trocken und gequält - das Produkt ist Spitze. Mit dem Produkt könnte man echt beeindrucken, ganze Schulklassen, geneigte Medien, Websites damit ausstatten. In dieser Machart aber wohl kaum.
Und DAS -> http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx) passiert, wenn man JUSTIN in die Suche bei DLR Home eingibt. 38 nüchterne Textreffer. Der Robonaut hat eine eigene Website. Gibt man "DLR" und "JUSTIN" bei Google ein und clickt auf den ersten Link bekommt man das: http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-112/178_read-2029/ (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-112/178_read-2029/)
Und sorry, liebe DLR, das ist armseelig, das ist lieblos, das ist begeisterungslos, das ist bedauerlich. Wenn nicht mal solche Websites vor Stolz auf ihre Errungenschaften bersten, sie herzeigen, sie erklären, sie nahebringen... woher soll denn bitte die Aufmerksamkeit kommen?
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ich denke, das Stichwort hier heißt Raumfahrtmarketing. Dafür hat das DLR allerdings eine eigene Abteilung. Allerdings hat das DLR auch Strukturen die zuweilen etwas schwerfällig sind, auch was neue Ideen angeht.
Für alle anderen vor allem nichtstaatlichen Projekte könnte man durchaus, auch in einer Community, Marketing betreiben...wie du das z.B. mit deinen Freunden machst...
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Betriebsinterne PR-Abteilungen sind meiner Erfahrung nach eine ungünstige Angelegenheit... da findet ein seltsames "Zurücklehnen" statt... wohingegen externe einfach ständig auf dem Prüfstand stehen und meist den aufsehenerregenderen Job machen. Da sollte mal ein Umdenken stattfinden.
JPL und NASA haben nach Face in Space da mal wieder was charmantes am Start:
http://marsparticipate.jpl.nasa.gov/msl/participate/sendyourname/ (http://marsparticipate.jpl.nasa.gov/msl/participate/sendyourname/)
Kostet nix, außer dem Webdesign, ist eine pfiffige Idee und ich wette, da machen hunderttausende mit. ;)
Bringt zum lachen, macht auf den Rover aufmerksam, verursacht sicher den einen oder anderen Pressebericht gratis und hey, schöner kann man seinen Namen nun echt nicht loswerden. ;)
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Führt Astronomiebegeisterung nicht zu Raumfahrtbegeisterung?
Wenn man den Mond oder Planeten durch ein Fernrohr betrachtet, dann wird bei mir immer der Wunsch geweckt, sie aus der Nähe zu betrachten, bzw. ihre Oberfläche zu betreten.
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Absolut. Schau' mal dieses Video von den Sidewalk Astronomers
ws
Klar, die Lichtverschmutzung dürfte brachial sein, aber schau' Dir mal die Gesichter der Menschen an, die da urplötzlich auf die Möglichkeit stoßen dem Himmel etwas näher zu kommen. Erst ist es Neugier, dann sieht man Faszination, Spannung und wenn sie gehen, dann grinsen oder lächeln sie.
Und all das bloß, weil sie auf dem Bürgersteig in ein Teleskop gerannt sind und gewissermaßen verführt wurden zu realisieren "Ach ja, ich bin ja auf einem Planeten.". ;)
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Ich denke wirkliche, breite Bevölkerungsschichten erfassende Raumfahrtbegeisterung kann man nur mit Aufsehen erregenden bemannten Mission schaffen. Die erste Mondlandung hat weltweit für Aufsehen und Erstaunen gesorgt. Die Routineflüge in den Erdorbit oder unbemannte Sonden inspirieren da weniger, abgesehen von einigen Ausnahmen wie Voyager 1 und 2.
Das Problem ist nur, um die Begeisterung aufrechtzuerhalten, müsste man kontinuierlich neue Ziele ansteuern ... Routine ist langweilig. ;)
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Das Problem ist nur, um die Begeisterung aufrechtzuerhalten, müsste man kontinuierlich neue Ziele ansteuern ... Routine ist langweilig. ;)
Im wesentlichen gebe ich dir recht, aber auch Routine muss nicht langweilig sein. In Russland z.B. sind viele sehr stolz drauf, dass sie als einzige bemannte Routineflüge durchführen können (das Shuttle fällt nach deren Meinung nicht mehr in die Kategorie, nach den letzten Verzögerungen kein Wunder ;) ). Das sorgt dann zwar nicht bei jeder Mission für Begeisterungsstürme, aber für eine gewisse Grundzufriedenheit. Ich gebe aber zu, dass diese Situation eine Ausnahme ist, bei den meisten Routineflügen hast du (leider) recht
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Woran liegt es dann, dass die Deutschen so gar kein Verhältnis zur Raumfahrt haben?
Daran, dass sie in einem dunklen Kapitel unserer Geschichte begonnen hat? Daran, dass wir wegen diesem Kapitel ohnehin dazu neigen weniger Nationalstolz zu demonstrieren, weil wir dazu ein unentspanntes Verhältnis haben?
Im Grunde kommt Raumfahrt kontinuierlich aus Deutschland, bzw.zumindest Europa. Gerade erst ist wieder eine Ariane gestartet. Wenn das nicht nur im Nachrichtenlaufband kommt sondern 15 Sekunden erwähnt wird, dann ist das ja schon viel. Wir betreiben ein Forschungsmodul der ISS, das ATV ist beeindruckend, JoKe trug sogar einen deutschen Namen, wir basteln an einem Mars Rover und, und, und... das sind doch eigentlich echt richtige Angeberprojekte. Kaum jemand weiß von ihnen.
Heute wollte ich übrigens die Überflugsdaten der ISS über die ESA Website checken... ungültiger Link. Ich also ESA Seite aufgerufen, gesucht, auf Anhieb nix gefunden... also habe ich die NASA Seite verwendet.
Dabei müsste das am besten auf die Startseite... so a la: Meet Columbus! Die ISS ist für 90% der Weltbevölkerung sichtbar. Das macht sie erlebbar. Raumfahrt gewissermaßen vor Ort über unseren Köpfen. Aber auf den deutschen oder europäischen Websites muss man regelrecht nach den Sichtungsdaten fahnden.
Das sind einfach verschenkte Möglichkeiten.
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Woran liegt es dann, dass die Deutschen so gar kein Verhältnis zur Raumfahrt haben?
Daran, dass sie in einem dunklen Kapitel unserer Geschichte begonnen hat? Daran, dass wir wegen diesem Kapitel ohnehin dazu neigen weniger Nationalstolz zu demonstrieren, weil wir dazu ein unentspanntes Verhältnis haben?
Vor dem 2. Weltkrieg gab es in Deutschland eine relativ große Raketen- und Raumfahrtbegeisterung, und es wurden diverse Pionierleistungen erbracht.
Dass die Begeisterung nach dem Krieg nachgelassen hat, hat, denke ich, mehrere Gründe:
In der unmittelbaren Nachkriegszeit war der Wiederaufbau zunächst mal dringender.
Die Fachleute (und mit ihnen das Know-How) waren (mehr oder weniger freiwillig) entweder in den USA oder in der Sowjetunion.
Dazu kommt in Westeuropa (und insbesondere in Westdeutschland) ein Mangel an geeigneten Startplätzen für größere Raketen. Raketen während des kalten Krieges Richtung Osten starten zu lassen wäre keine gute Idee (http://de.wikipedia.org/wiki/Stanislaw_Jewgrafowitsch_Petrow#Der_Vorfall) gewesen. Durch die nicht vorhandenen Startplätze in Europa besteht zudem für einen durchschnittlichen Europäer so gut wie keine Gelegenheit einen Wochenendausflug zu einer mit Cape Canaveral vergleichbaren Anlage zu machen, geschweige denn einen Start zu erleben.
In den 60er Jahren gab es nicht zuletzt auch durch die Beteiligung deutsch stämmigen Ingenieure durchaus eine relativ große Begeisterung für das amerikanische Raumfahrtprogramm, mit dem sich die (West-)Deutschen identifizieren konnten.
In den 70er und 80er Jahren wurden Raketen in Deutschland eher als Bedrohung wahrgenommen. Wenn über Raketen berichtet wurde, war dies meist im Zusammenhang mit der Stationierung von Raketen mit Atomsprengköpfen der Fall, oder eine Gegenüberstellung, welche Seite mehr Raketen hatte, und wie oft man damit das Leben auf der Erde auslöschen könnte.
Die Tatsache, dass auf den ESA-Seiten im Vergleich zur NASA wenige Informationen zu aktuellen Missionen zu finden sind, liegt im Urheberrecht begründet. So haben die beteiligten Wissenschaftler bzw. die jeweiligen Institutionen in der Regel ein Erstverwertungsrecht an den gewonnenen Daten (z.B. die Bilder von Mars-Express), so dass die ESA die gewonnenen Daten nicht ohne Genehmigung veröffentlichen darf. In den USA müssen, soweit ich weiß, mit öffentlichen Mitteln geförderte Projekte ihre Ergebnisse auch öffentlich zugänglich machen.
Die europäische Rechtslage fördert da natürlich die Einstellung, dass da irgendwelche Wissenschaftler nur zu ihrem Privatvergnügen forschen, ohne dass die Allgemeinheit etwas davon hat.
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Die Deutschen scheinen sowieso geradezu biedermeierlich nach innen gekehrt und auf sich bezogen zu denken. Nach 2000 ist es nur noch schlimmer geworden. Es macht sich auch eine allgemeine Technik- und Fortschrittsskepsis breit ... (Groß)Technik ist zuerst immer eine Bedrohung, ob das jetzt Gentechnik, Funkmasten, Atomkraftwerke oder Raketen sind ...
Von Pioniergeist ist da lange nichts mehr zu spüren. Ich denke es wird schwer, in Deutschland echte Raumfahrtbegeisterung zu schaffen. Am Besten wird das durch den Konsens der großen Parteien ausgedrückt, die alle nicht mehr Geld in Weltraumforschung investieren wollen. Auf die Idee, das sowas Hightechberufe ins Land schafft und Innovation fördert kommt ja keiner ...
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Nur mal so als Anregung: Hast du das schon eimal "deinen" Abgeordneten erzählt?
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Wir haben ja sogar einen Minister für Technologie und der heißt Rainer Brüderle. (Die Hightech-Strategie und Raumfahrtstrategie ist im og. Sinne ziemlich dröge geraten).
Des Ministers Grundeinstellung ist ja bekannt, aber manchmal macht er auch andere Äußerungen (hier im Zusammenhang mit EADS):
"Wir brauchen etwas europäischen Patriotismus"
http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/wir-brauchen-etwas-europaeischen-patriotismus-461245/ (http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/wir-brauchen-etwas-europaeischen-patriotismus-461245/)
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Führt Astronomiebegeisterung nicht zu Raumfahrtbegeisterung?
Wenn man den Mond oder Planeten durch ein Fernrohr betrachtet, dann wird bei mir immer der Wunsch geweckt, sie aus der Nähe zu betrachten, bzw. ihre Oberfläche zu betreten.
@Basileios: Ich kenne schon einige, die sich für die Astronomie interessieren, aber nie das Interesse hätten da auch mal hoch zu fliegen ;)
Heute wollte ich übrigens die Überflugsdaten der ISS über die ESA Website checken... ungültiger Link. Ich also ESA Seite aufgerufen, gesucht, auf Anhieb nix gefunden... also habe ich die NASA Seite verwendet.
Dabei müsste das am besten auf die Startseite... so a la: Meet Columbus! Die ISS ist für 90% der Weltbevölkerung sichtbar. Das macht sie erlebbar. Raumfahrt gewissermaßen vor Ort über unseren Köpfen. Aber auf den deutschen oder europäischen Websites muss man regelrecht nach den Sichtungsdaten fahnden.
Das sind einfach verschenkte Möglichkeiten.
@xwing2002: Meinst du es würde Sinn machen soetwas mal an die Seitenbetreiber zu schreiben?
Ansonsten hätte ich persönlich nicht das Gefühl, dass die Massen uninteressiert an der Raumfahrt sind. Nur ist es sehr schwer als Einzelperson in diesem Bereich zu partizipieren von einem Teleskop mal abgesehen. Bevor es keinen erschwinglichen und funktionierenden Weltraumtourismus gibt, wird sich das auch nicht ändern. Aber schon der Movie-Landschaft nach zu urteilen würde ich sagen, ist das Interesse zumindest vorhanden.
Falls ich mal irgendwann genug Ressourcen habe, werde ich eine Filmreihe zum Thema Raumfahrt raus bringen :D
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Gestoßen bin ich auf folgende öffentliche Umfrage in den USA, ob das Raumfahrtprogramm seine Kosten rechtfertigt. Die Zustimmung der NASA lag 2009 bei 58%
http://www.gallup.com/poll/121736/Majority-Americans-Say-Space-Program-Costs-Justified.aspx (http://www.gallup.com/poll/121736/Majority-Americans-Say-Space-Program-Costs-Justified.aspx)
Da die Umfrage die Entwicklung der letzten 30 Jahre umfaßt und jeder so seinen historischen Rückblick aus Anlaß des Shuttle-Endes macht, find ich diese Umfrageergebnisse aus 2009 sehr aufschlußreich.
Unabhängig von den absoluten Zahlen ist mehr die Entwicklung über den zeitlichen Verlauf interessant. Die Bereitschaft für hohe/höhere Budgets war 1986 und 2003 besonders groß und 1994 sehr gering. Wenn ich das recht interpretiere, sind also kritische Phasen der Raumfahrt in den USA gut für höhere Anstrengungen, während Wirtschaftskrisen und Weltraum-Militarisierung eher schlecht für die öffentliche Zustimmung sind.
Wenn ich das so fortschreiben würde in die nächsten Jahre, dann kann sich die öffentliche Meinung in den USA eher verbessern und in Europa vielleicht eher verschlechtern.
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Gibt es denn Zahlen für Europa?
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Gute Frage ..., und siehe da, in der EU gibts nichts, was es nicht gibt, zumindestens in der Meinungsforschung:
(https://media.raumfahrer.net/upload/2023/10/29/20231029220940-898a487b.jpg)
In Europa ist es natürlich etwas komplizierter, weil diese Umfrage die EU als Institution betrifft (mit alle ihren Imageproblemen) und die ESA nur indirekt betrifft.Zudem wird sehr auf die Differenzierung nach einzelnen Ländern abgehoben.
Dennoch interessant, was zur gleichen Frage, nämlich ob der Nutzen dem Raumfahrtbudget angemessen, zu hoch oder zu niedrig ist, ermittelt worden ist. Gerade da sind die Unterschiede zwischen Deutschland, Frankreich und UK beträchtlich. Während in UK erwartungsgemäß viel Ablehnung verzeichnet wird, gibts da aber auch viele Befürworter, in Frankreich besonders viele Ablehnung höherer Budgets und in Deutschland ist das weder noch ein Thema.
Auch die anderen Fragen und Ergebnisse sind recht interessant, um sich einen Überblick über die Akzeptanz von EU-Unabhängigkeit, Erdbeobachtung, Navigation, Industriepolitik, Kommunikation und Exploration zu verschaffen.
http://ec.europa.eu/public_opinion/flash/fl_272_en.pdf (http://ec.europa.eu/public_opinion/flash/fl_272_en.pdf)