Raumcon
Astronomie => Fragen und Antworten: Astronomie => Thema gestartet von: martinli am 07. Juli 2004, 11:19:38
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Hallo,
Ich hab mal eine Frage aus meinem Chemie Studium.
Und zwar hatten wir eine Physik assistentin, die uns erklät hat, dass der Mond
nicht früher ein Teil der Erde war, sondern, dass er von der Erde eingefangen
wurde (gravitation).
Ich habe irgend wann mal gehört, dass die "einfang" Theorie totaler Quatsch
ist und halte das auch selbst (Beziehung Geschwindigkeit-Masse) für sehr
unwahrscheinlich.
Es würde mich sehr interessieren, ob Sie hier genaueres wissen.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Linden
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Soweit ich weiß, gibt es die Theorie, dass in der Anfangszeit der Erde ein etwa marsgroßes Objekt die Erde traf und schleuderte so Material in die Umlaufbahn der Erde das sich später zum Mond zusammenschloss. Diese Theorie kann man mit der Tatsache beweisen, dass der Mond fast ausschließlich aus leichtem Material besteht. Aber auch die Theorie mit dem Einfangen ist möglich.
Ich persönlich glaube aber an die Kolisionstheorie.
mfg Digigraf
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Also ich habe die Zeitschrift "Sterne und Weltraum" zu Haus und in einer Sonderausgabe wurde das Auftreffen eines marsgroßen Gesteinsbrockens simuliert. Und dort kam man zu dem Ergebnis, das diese Theorie sehr wahrscheinlich ist.
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"AstroGeo Podcast: Wie ist der Mond entstanden?
Abspaltung, Einfang, Explosion oder doch ein gewaltiger Rumms? Wie die Erde zu ihrem Mond gekommen ist, war lange Zeit ein Rätsel. Trotz des Heureka-Moments vor 40 Jahren sind bis heute einige Fragen offen."
(https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2026/01/kachel-mit-logo_rn.jpg)
Sichel des abnehmenden Mondes
Quelle: CC-BY-SA 4.0 Rolf Hempel / Wikimedia Commons
Weiter im Beitrag von AstroGeo-Podcast: https://www.raumfahrer.net/astrogeo-podcast-wie-ist-der-mond-entstanden/ (https://www.raumfahrer.net/astrogeo-podcast-wie-ist-der-mond-entstanden/)
Viele Grüße
Rücksturz
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In der Alpha Doku
https://cdn-storage.br.de/50/0a/500a8e87-4624-4cba-aabd-547a8f5b9b14/500a8e87-4624-4cba-aabd-547a8f5b9b14_HD.mp4 (https://cdn-storage.br.de/50/0a/500a8e87-4624-4cba-aabd-547a8f5b9b14/500a8e87-4624-4cba-aabd-547a8f5b9b14_HD.mp4)
werden drei Theorien vorgestellt, warum die Rückseite des Mondes so anders sei als die Vorderseite. Abgesehen von der unsäglichen, neueren Doku-Machart der schnellen Schnitte sich wiederholender Filmchen ohne Mehrwert, ist es ganz unterhaltsam. Klärt natürlich die Frage nicht, - man wartet auf Proben von der Rückseite.
Dabei fiel mir aber auf, dass die Kollisionstheorie nicht erklärt, warum der Mond uns nur seine Vorderseite zeigt; was aber vorausgesetzt wird, warum verschiedene Sekundäreinschlag- und Aufschmelzmodelle z.B. eines weiteren Mondes, eben die Vorder- und Rückseite geschaffen haben könnten.
Ist es nicht seltsam, dass ein Trabant sich einmal um 360° dreht, damit seine Ausrichtung exakt mit seiner Umlaufzeit übereinstimmt? Und wenn sich der Mond tatsächlich einst sehr viel näher an der Erde befunden haben muss (nur wenige Erddurchmesser, wenn man es linear zurückinterpoliert) - wie könnte dann das System insgesamt funktioniert haben und warum ist der Mond nicht auf die Erde gestürzt?
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.. Ist es nicht seltsam, dass ein Trabant sich einmal um 360° dreht, damit seine Ausrichtung exakt mit seiner Umlaufzeit übereinstimmt?
Nein - siehe zB "gebundene Rotation" und "Gezeitenkraft" in der dt. Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gebundene_Rotation
https://de.wikipedia.org/wiki/Gezeitenkraft#Gezeitenreibung_(Roche-Grenze_nicht_unterschritten)
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Das mag stimmen, aber der Mond muss ja sehr früh entstanden sein. Wenn also die Kollisionstheorie stimmt, dann müsste der Mond extrem schnell abgebremst worden sein, damit er in den restlichen 4 Milliarden Jahren von seinen vermutlich existierenden 4,5 seine Vorderseite konstant der Erde zuwendet. Ist das so? Wird eine Rotation dermaßen schnell abgebremst? Wir reden ja hier von der ENTSTEHUNG der verschiedenen Mondseiten und NICHT davon, wie er sich heute, nach 4 Milliarden Jahren, dreht und präsentiert. Die Entstehungstheorien gehen davon aus, dass bereits kurz nach der Kollision Vorder- und Rückseite schon wie heute fixiert waren - und das glaube ich einfach nicht. Und wenn ein solcher Aufprall NACH dem Rotationsstopp eingetreten wäre - würde er dann nicht die ganze Chose wieder erneut ins Trudeln bringen? Auch dann wäre nicht vorhersehbar, WO und WIE der Mond stehenbleibt.
Oder, anders: wenn die Abbremsung einer Rotation sich über Millionen von Jahren hinzog, bis sie irgendwann im Erdmittelalter zum Stillstand, zum heutigen Zustand gekommen ist, dann kann es auch keine unterschiedlichen Vorder- und Rückseiten geben, denn dann könnte es auch sein, dass der Mond „in der Mitte“ stehengeblieben wäre, man sähe also eine Trennlinie zwischen einer Seite, die durch Ereignis A entstanden war, und einer Seite, die mal durch Ereignis B entstanden war.
Wenn es also die unterschiedliche Vorder- und Rückseite gibt, so können die nur NACH dem Stillstand entstanden sein, als es keine Rotation mehr gab.
Also, alles hängt davon ab, wie lange der Bremsprozess für den Mond gedauert hätte, bis er seine heutigen Zustand erreicht hätte.
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Das der Mond der Erde immer die gleiche Seite zeigt hat nix mit der Entstehung des Mondes selbst zutun. Sondern mit dem gravitativen Einfluss der Erde auf dem Mond, die Erde dämpft die Rotation, so dass er mit der Zeit immer langsamer wir, egal in welche Richtung er sich dabei dreht oder wie schnell. Das ist ja nicht nur bei unserem Mond so sondern eigentlich fast bei jedem Mond im Sonnensystem. https://de.wikipedia.org/wiki/Gebundene_Rotation
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Das mag stimmen, aber der Mond muss ja sehr früh entstanden sein. Wenn also die Kollisionstheorie stimmt, dann müsste der Mond extrem schnell abgebremst worden sein, damit er in den restlichen 4 Milliarden Jahren von seinen vermutlich existierenden 4,5 seine Vorderseite konstant der Erde zuwendet. Ist das so?
Ja, die Abbremsung auf eine gebundene Rotation wird wohl in unter 100 Millionen Jahren nach seiner Entstehung abgeschlossen worden sein. Das könnte sich etwa mit dem Zeitraum überschneiden, in dem auch seine Magmaozeane erstarrten. Die Erde selber hatte da wohl noch eine Oberflächen-Temperatur im niedrigen 4stelligen Bereich (also eine sehr sehr hohe), weshalb es ja auch die Theorie gibt, daß das der Grund für die unterschiedlichen Mondoberflächen vorne/hinten gibt.
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Das der Mond der Erde immer die gleiche Seite zeigt hat nix mit der Entstehung des Mondes selbst zutun. Sondern mit dem gravitativen Einfluss der Erde auf dem Mond, die Erde dämpft die Rotation, so dass er mit der Zeit immer langsamer wir, egal in welche Richtung er sich dabei dreht oder wie schnell. Das ist ja nicht nur bei unserem Mond so sondern eigentlich fast bei jedem Mond im Sonnensystem. https://de.wikipedia.org/wiki/Gebundene_Rotation
Genau das habe ich ja gefragt. Wenn sich Vorder- und Rückseite durch irgendein Ereignis unterschiedlich gebildet haben sollen, muss der Mond sozusagen schon „zum Stillstand“ gekommen sein. In den Animationen des Films, wo ein Körper auf den Mond knallt und Staub und Gestein, wie vermutet, auf die Rückseite verteilt (mitsamt anderen Phänomenen), müsste der Mond also schon eine fixierte Vorder- und eine Rückseite gehabt haben. Es ging ja genau darum, dass Abbremsung und Entstehung der Oberfläche zwei unterschiedliche Phänomene sind.
Dann ist es eher unlogisch, dass die Vorder- und Rückseite sich quasi bei seiner „heißen“ Entstehung durch einen Zusammenprall gebildet haben, wenn die Mondrotation erst 100 Millionen Jahre später abgebremst worden wäre...
Es kann jeweils nur eine oder die andere Variante zutreffen. Deswegen ist die Theorie des „zweiten Mondes“, der SPÄTER einschlug, am wahrscheinlichsten: der Mond war bereits abgebremst und wandte der Erde seine Vorderseite zu. Nur leider hat man keinen entsprechenden Krater gefunden. Zudem hätte der Himmelskörper mehr oder weniger aus der Richtung der Erde kommen müssen, wenn er auf der Vorderseite eingeschlagen wäre. Wäre er in derselben Umlaufbahn mit dem Mond kollidiert, hätte die „Vorderseite“ nicht vorne, sondern erdabgewandt um 90° entstehen müssen.
Dann könnte es natürlich sein, dass der Impuls dem Trabanten wieder eine Drehung versetzt hätte, die sich ein zweites Mal in 100 Millionen Jahren abgeschwächt hätte. Aber warum blieb er EXAKT bei der Vorderseite von vorher stehen? Sehr mysteriös. Vielleicht ist es ja doch ein künstliches Raumschiff von Reptiloiden, die uns beobachten wollen...
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Dann ist es eher unlogisch, dass die Vorder- und Rückseite sich quasi bei seiner „heißen“ Entstehung durch einen Zusammenprall gebildet haben, wenn die Mondrotation erst 100 Millionen Jahre später abgebremst worden wäre...
Es kann jeweils nur eine oder die andere Variante zutreffen. Deswegen ist die Theorie des „zweiten Mondes“, der SPÄTER einschlug, am wahrscheinlichsten: der Mond war bereits abgebremst und wandte der Erde seine Vorderseite zu.
Das eine schließt das andere nicht zwangsläufig aus.
Vorausgesetzt die Einschlagstheorie stimmt (wovon ich ausgehe): Die Abbremsung der Mondrotation (als auch der Erdrotation) erfolgte in der Anfangsphase viel schneller, da der Mond sehr viel näher war (und damit die Gezeitenkräfte wesentlich höher). Es wurde entsprechend viel Impuls übertragen bis der Mond letztlich nach recht kurzer Zeit nur noch gebunden rotierte.
Die Erde mit der wesentlich höheren Masse hat auch Drehimpuls verloren (man geht davon aus dass die Erde kurz nach der Entstehung des Mondes mindestens doppelt bis 4 mal so schnell wie heute rotierte). Dies führte aber bisher noch nicht zur doppelt gebundenen Rotation (Pluto-Charon), und wird es wohl auch nicht da durch die Impulsübertragung sich der Mond immer weiter entfernt und damit die Gezeitenkräfte abschwächt.
100 Mio Jahre halte ich deswegen für durchaus realistisch.
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Hm. Ist natürlich erstaunlich, weil der Mond ja so unverhältnismäßig groß ist. Da sollte die Abschwächung der Rotation von so viel Masse langsamer erfolgen. Aber was heißt schon „langsam“ im kosmischen Maßstab.