Galaxien-Crash

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Offline pikarl

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #50 am: 16. März 2009, 15:45:59 »
Zitat
In die Vergangenheit weit entfernter Galaxien

Einem Forscherteam gelang es, mit Hilfe boden- und weltraumgestützter Teleskope die Bewegung von Gaswolken in weit entfernten Galaxien zu vermessen. Das Verfahren, das bisher nur bei den Nachbarn der Milchstraße gelang, soll dabei helfen, die Entwicklung von Galaxien vom frühen Universum bis heute besser zu verstehen.

http://www.raumfahrer.net/news/astronomie/16032009151120.shtml

Den drei untersuchten Galaxien ist gemein, dass sie alle eine Kollision hinter sich haben. Die neue Technik macht es erstmalig möglich, die Entwicklung so junger (=weit entfernter) Galaxien zu verstehen.

Re: Galaxien-Crash
« Antwort #51 am: 17. März 2009, 01:33:25 »
Mit dem VLT (Siehe dazu auch Karls Artikel oben bzw. im Portal) ist erneut ein interessantes Bild zweier miteinander verschmelzender Galaxien gelungen:

ESO
GRAU

Aufgenommen wurde das Bild mit dem FORS2-Instrument (FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph) des VLT. Zu sehen ist das Objekt Arp 261, das rund 70 Mio. Lichtjahre entfernt im Sternbild Waage liegt.

Während bei dem zerstörerischen Tanz der Galaxien miteinander die Bahnen einzelner Sterne stark gestört werden, entstehen auf der anderen Seite viele neue Sterne durch den Crash der in den Galaxien jeweils enthaltenen Gas- bzw. Staubwolken miteinander. Die Kollision von einzelnen Sternen dagegen ist sehr unwahrscheinlich, da der Abstand zwischen den Sternen trotz allem wahnsinnig groß im Verhältnis zu den Ausmaßen der Sterne selber ist.

Interessante Nebenaspekte: Oben und oben links sieht man auf dem Bild zwei Asteroiden unseres Asteroidengürtels, die zufällig durch's Bild huschen. Zu erkennen sind sie hier an der rot-grün-blauen Bildspur, die durch den Einsatz der verschiedenen Spektralfilter entsteht.

Aufgenommen wurde das Bild eigentlich um die ungewöhnlich lange sichtbare Supernova SN 1995N zu untersuchen, die hier allerdings nur als kleiner Lichtpunkt erscheint. Markiert ist sie auf diesem Bild:

http://www.eso.org/public/outreach/press-rel/pr-2009/pr-11-09.html

Mimas

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #52 am: 08. April 2009, 17:27:43 »
Ein nettes Bild kollidierender Galaxien (Hubble):


Die beiden gehören zum Virgohaufen.  Normalerweise kommt es nicht zu einer Vermischung ihrer  Sterne, wenn Galaxien kollidieren. Dies liegt daran, dass sie vor allem aus leerem Raum bestehen und nur zu einem sehr kleinen Teil von Sternen ausgefüllt werden. Höchstens kommt es zu einer Verschmelzung ihrer zentralen schwarzen Löcher, was aber hunderte Millionen Jahre dauern kann.

Von da.

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Online -eumel-

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #53 am: 09. April 2009, 04:11:47 »
Du meinst sicher, daß es normaler Weise nicht zum Zusammenstoß einzelner Sterne führt, wenn sich Galaxien durchdringen, weil die Abstände zwischen den Sternen doch sehr groß sind.
Vermischungen gibt es schon, einige Sterne wechseln dabei die Galaxie und ziehen mit der anderen mit.
Es kann auch passieren, daß Sterne herausgeschleudert werden und dann einsam durchs All wandern.
Wenn die beiden Kerne miteinander verschmelzen, werden sogar fast alle Sterne vermischt. ;)

Mimas

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #54 am: 09. April 2009, 12:50:28 »
Hallo Eumel.

Das Apod schreibt:

Zitat
When two galaxies collide, the stars that compose them usually do not. This is because galaxies are mostly empty space and, however bright, stars only take up only a small fraction of that space.

Okay, sie kollidieren nicht, vermischen können sie sich schon. Ich fands auch irgendwie komisch, wenn jede Galaxie ihre eigenen Sterne festhalten könnte. ;)

Hansjuergen

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #55 am: 16. April 2009, 23:21:00 »
Auffahrunfall im All

So könnte man die Szene betiteln welche Wissenschaftler nun erstmals beobachten konnten.
Die Wissenschaftler nutzten optische Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops sowie des Keck-Observatoriums auf Hawaii und bezogen Röntgendaten des Chandra-Observatoriums in die Analyse mit ein. Aus den Daten konnten sie die dreidimensionale Geometrie und die Bewegungen in dem System rekonstruieren. Demnach sind vier separate Galaxienhaufen an der Kollision beteiligt. Ein kosmischer Crash von diesem Ausmaß wurde bisher noch nicht dokumentiert.


Weitere Infos hier: http://www.spektrum.de/artikel/991894


Re: Galaxien-Crash
« Antwort #56 am: 19. April 2009, 20:49:46 »
Ich frage mich wie solche intergalaktischen Filamente oder Bänder entstehen. Das oben angedeutete Exemplar hat eine Länge von 13 Mio. Lichtjahren und soll vor allem aus kaltem Gas und Dunkler Materie bestehen.

Wie entstehen solche unglaublich langen und verhältnismäßig dünnen Bänder? Zum Vergleich: Der Durchmesser unserer Galaxie beträgt gerade mal gut 100.000 Lichtjahre. Die Andromedagalaxie ist 2,5 Mio. Lichtjahre entfernt.

Entstehen diese Bänder im Rahmen einer milliardenjahren Kollisionsgeschichte durch Gezeitenkräfte? Welche Rolle spielt die Dunkle Materie und in welcher Verbindung stehen die Filamente zu den großen Voids (Leeren), die viele hundertmillionen Lichtjahre durchmessen können? 

Wikipedia schreibt übrigens zur Situation unserer eigenen Galaxie:

Zitat
Auch unsere Milchstraße, die etwa 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Andromedagalaxie, die anderen Mitglieder der Lokalen Gruppe und nahegelegene Galaxiengruppen, bilden mit dem Zentrum des Virgo-Galaxienhaufens in 65 Millionen Lichtjahren und dem Zentrum des Coma-Haufens (Abell 1656) und des Leo-Galaxienhaufens (Abell 1367) in etwa 300–450 Millionen Lichtjahren Distanz ein riesiges Filament.
http://de.wikipedia.org/wiki/Filament_(Kosmologie)

H.J.Kemm

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #57 am: 19. August 2009, 11:40:21 »
Moin,

beim suchen von Daten über Galaxien ist mir die Galaxie *M 87* aufgefallen. Hier einige Daten: *M 87*,  Zugehörigkeit Virgo-Galaxienhaufen, Sternbild Jungfrau, Winkelausdehnung 8,3′ × 5,8′, 9,6 mag, ~ 52 Mio. Lj.

Und dabei habe ich diese Abbildung gefunden>>>
Bild: Chris Mihos, Case Western Reserve University / ESO

Hinweis: Die schwarzen Punkte im Bild verdecken alle Vordergrundsterne, die zur Milchstrasse gehören.

Darauf sieht man bei 7 Uhr die Riesengalaxie *M 87*. Das helle Band von 11 bis 3 Uhr zeigt die Galaxienkette im Virgohaufen.
Fast alle kleinen Lichtpunkte auf dem Bild sind Sterne, die ausserhalb von *M 87* liegen, mit ihr aber physisch verbunden sind. Bei genauer Betrachtung kann man feststellen, dass die Fläche der Begleitsterne nicht genau begrenzt ist. Und dies ist ein Rätsel. Eigentlich dürften diese Sterne keine grössere Fläche einnehmen, denn sie sind bei einer früheren Annäherung von *M 87* an eine andere Galaxie aus dem Virgohaufen regelrecht aus *M 87* rausgesaugt worden, stehen aber weiterhin unter dem Gravitationseinfluss der Muttergalaxie. Also dürften sie nur im engeren Bereich vorhanden sein. Aber sie sind sehr weit verstreut. Deshalb gehen Astronomen davon aus, dass es in Zukunft einen weitereren Kontakt zwischen *M 87* und anderen Galaxien, wahrscheinlich *M 84* und *M 86*, im Bild die beiden helleren Punkte bei 3 Uhr, geben wird.

Mit dem FLAMES-Spektrographen des Very Large Telescope (VLT) im Paranal-Observatorium der ESO in Chile wird stetig verfolgt, ob sich Bewegungen und wenn ja, in welche Richtung, feststellen lassen. Das wird also eine richtige Verfolgungsjagd, leider nur im Schneckentempo. Aber eins steht fest; auch *M 87* wird es so ergehen wie unserer Milchstrasse - sie enden beide in einem Chaos.

Jerry





 


H.J.Kemm

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #58 am: 19. August 2009, 15:28:45 »
Moin,

ich hatte geschrieben: Deshalb gehen Astronomen davon aus, dass es in Zukunft einen weiteren Kontakt zwischen *M 87* und anderen Galaxien, wahrscheinlich *M 84* und *M 86*, im Bild die beiden helleren Punkte bei 3 Uhr, geben wird.

Nun habe ich eine sehr nette PN bekommen und darin stand u.a.: ......."dass es in Zukunft" stimmt ja wohl nicht, denn die Galaxie ist fast 52 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, also wird der Crash doch schon gewesen sein. Wir sehen die .......

Der Hinweis stimmt natürlich, aber ich habe vorausgesetzt, dass wir Astronomis das wissen, sorry.

Jerry   

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Online -eumel-

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #59 am: 19. August 2009, 16:09:36 »
Die Formulierung "in Zukunft" ist schon richtig, denn sie ist zeitlich nach oben offen.
Uns interessiert ja die Entwicklung im Universum.
Es mag schon eine nahe Begegnung der betreffenden Galaxien gegeben haben und es wird in Zukunft wieder eine geben.

Der genaue Zeitrahmen, oder gar die Entfernung bis zur Erde ist dabei nicht relevant.
Was wir (noch) nicht beobachten können, können wir auch nicht als Fakt verbuchen.

Also sollte der für uns zuküftige Crash auch momentan stattfinden, wissen wir es doch erst, wenn das Licht uns die Information bringt.
Wir können nur mit Daten arbeiten, die uns vorliegen.
Und danach müssen wir derzeit sagen: Ein weiterer Crash wird in Zukunft stattfinden.

Wir denken oft nur in Menschleben, oder gar in Zeiträumen, die wir selbst noch erleben können.
Das ist aber sehr kurzsichtig.

Für einen Galaxien-Crash sind selbst 52 Millionen Jahre keine lange Zeit.

H.J.Kemm

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #60 am: 30. August 2009, 12:29:36 »
Moin,

man sagt ja, dass das Weltall expandiert und dadurch wird die Entfernung zwischen den Galaxien grösser.

So weit so gut; aber wenn ich mir die Bilder im net von Galaxien anschaue, dann sind viele davon auf Kollisionskurs mit anderen Galaxien, man nennt sie auch *wechselwirkende Galaxien*. Solche Wechselwirkungen scheinen nicht unüblich, vielleicht sogar normal und notwendig für die Entwicklung von Galaxien. Wobei die Wissenschaftler meinen, dass sich nur noch etwa eine bis zwei von hundert Galaxien im direkten Prozess einer Verschmelzung befinden. Sie nehmen auch an, dass in der Zeit etwa eine Mrd Jahre nach dem angenommenen Urknall die damals häufigen Zwerggalaxien vielfach miteinander verschmolzen.


Bild: Hubble WT - kollidierende Galaxien

Auch unserer Milchstrasse ereilt dies Schicksal mit der *Andromedagalaxie* >>> Beide Galaxien, zur Zeit ~ 2,5 Mio Lj auseinander, driften stetig auf einander zu. Wenn es zu einer Kollision kommt, würde folgendes geschehen: Beide Galaxien verschmelzen nach mindestens 2 engeren Kontakten  zu einer *super-elliptischen Galaxie*, von Astronomen *Milkomeda* benannt.

Wenn die Beobachtungen der Astronomen stimmen, dann bleibt es aber nicht nur bei dem *Galaxien-Crash*, sondern die Zusammenballung geht weiter. Die *Feldgalaxien* versammeln sich dann in *Galaxiengruppen*, das sind kleinere Ansammlungen von Galaxien mit weniger als 50 Mitgliedern  mit einem ø von bis zu 10 Mio Lj. Auch unsere Milchstrasse gehört solch einer Gruppe an: der *lokalen Gruppe*.


Bild: WIKIPEDIA - Verteilung der Galaxien in der Lokalen Gruppe

Aber diese *Galaxiengruppen* bleiben nicht inaktiv. Auch sie tendieren durch Wechselwirkung mit anderen Gruppen zum Zusammenschluss. Daraus entstehen dann die *Galaxienhaufen*. Sie beinhalten bis zu einigen tausend *Feldgalaxien*, bzw. ~ 15 - 20 *Galaxiengruppen*, die sich alle mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten im gemeinsamen Schwerefeld ihres gemeinsamen Haufens bewegen. In der Mitte von *Galaxienhaufen* befindet sich oft eine riesige Elliptische Galaxien.


Bild: WIKIPEDIA - Die Umgebung der Lokalen Gruppe bis etwa 20 MLj Entfernung.

Letztendlich streben auch diese schon grossen Haufen zu einem weiteren Zentrum, dem *Galaxiensuperhaufen*, eine der größten für uns erkennbaren Strukturen im Universum, die sich aus mehreren Haufen zusammensetzt. Auch unsere Milchstraße ist Teil eines Superhaufens, nämlich des Virgo-Superhaufens (auch Lokaler Superhaufen genannt), dessen Zentrum der *Virgo-Galaxienhaufen* bildet. Er hat die Form einer abgeflachten Scheibe mit einem ø von etwa 200 Mio Lj und enthält ~ 100 bis 200 Galaxienhaufen.


Bild: WIKIPEDIA - Im Zentrum des Virgo-Haufens sind sich die Galaxien so nahe, daß es häufig zu Kollisionen oder Beinahezusammenstößen kommt. Spiralgalaxien haben dort nur eine geringe Überlebenschance.
 
Der *Virgo-Superhaufen* wird nun selbst vom *Grossen Attraktor* angezogen, der südlich des Sternbildes Skorpion liegt und dessen Beobachtung uns die Milchstraße verwehrt. Zudem scheint ein weiterer Superhaufen weit hinter dem *Grossen Attraktor* an unserer Milchstraße zu ziehen, die sich mit 625 km/s auf den Attraktor zu bewegt.
Über den *Grossen Attraktor* hier nachlesen >>>

Der noch weiter entfernt liegende, aber den Virgo Haufen beeinflussende Superhaufen ist wahrscheinlich *the great Wall*. Er liegt 200 Mio. Lj entfernt in Richtung des Sternbilds Jungfrau, ist 500 Mio. Lj. lang – etwa parallel zur nördlichen Kante der galaktischen Scheibe der Milchstraße – nur 15 Mio. Lj. dick und mind. 300 Mio. Lj. hoch.

Wenn dem alles so ist, dann kann man doch sagen, dass in ferner Zukunft alle Galaxien, Galaxiengruppen, Galaxienhaufen und Galaxien-Superhaufen in einem Galaxien-Super-Superhaufen verschmolzen werden- alles andere im Universum ist dann eine grosse Leere.

Schöne Zukunftsaussichten.

Jerry



 



Re: Galaxien-Crash
« Antwort #61 am: 30. August 2009, 19:46:32 »

Wenn dem alles so ist, dann kann man doch sagen, dass in ferner Zukunft alle Galaxien, Galaxiengruppen, Galaxienhaufen und Galaxien-Superhaufen in einem Galaxien-Super-Superhaufen verschmolzen werden- alles andere im Universum ist dann eine grosse Leere.

Hallo Jerry,

diejenigen Galaxien-Superhaufen, die sich jetzt schon eine deutliche Rotverschiebung aufweisen, werden niemals mit unserem Superhaufen verschmelzen. Ab einer gewissen Entfernung überwiegt die Expansion der Raumzeit.

Außerdem leben Galaxien auch nicht ewig und daher wird es viele von ihnen nicht mehr in dieser Form geben, wenn sie große Distanzen zurückgelegt haben um zu kollidieren.

H.J.Kemm

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #62 am: 30. August 2009, 19:58:49 »
Moin Timo,

diejenigen Galaxien-Superhaufen, die sich jetzt schon eine deutliche Rotverschiebung aufweisen, werden niemals mit unserem Superhaufen verschmelzen.

Das hatte ich auch nicht geschrieben. Aber ich meine, dass sie doch sich mit unserem Superhaufen irgendwann zusammenschliessen, vielleicht im *Shapley-Superhaufen*.

Jerry


Re: Galaxien-Crash
« Antwort #63 am: 30. August 2009, 20:09:44 »
Ok, dann hatte ich dich falsch verstanden. Ich dachte, du meinst, dass sich alle Galaxien im Universum irgendwann zu einem Super-Super-Haufen zusammenschließen würden.

Der Shapley-Supercluster liegt hinter dem Großen Attraktor und ist vielleicht der eigentlich größere Attraktor. Trotzdem wird es grob überschlagen noch mindestens 30 Milliarden Jahre dauern, bis unser Superhaufen dem Shapley-Superhaufen nahekommt. Vielleicht brennt bis dahin ja kaum noch ein Stern!

Timo

H.J.Kemm

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #64 am: 30. August 2009, 20:16:56 »
Moin Timo,

ein Problem habe ich trotzdem.

Wenn die *Andromeda-Galaxie* und unserer Milchstrasse mal zur *Milkomeda* zusammenfinden, wird daraus eine im lokalen Galaxienhaufen dominierende *Super-Spiralgalaxie*. Wird sie dann den weiteren Weg bestimmen oder bleibt der jetzt scheinbar vorgegebene Weg erhalten.

Jerry     

Re: Galaxien-Crash
« Antwort #65 am: 30. August 2009, 22:02:38 »
Soweit ich weiß, bleiben beide Galaxien ihrem Weg weitgehend treu.
Sie durchdringen einander, aber setzen letztlich ihren ursprünglichen Weg fort. Dabei können einzelne Sterne die Galaxie wechseln, oder ganz aus dem Galxienverband rausgeworfen werden, oder sie werden ins Richtung Zentrum geschleudert. Auch das Gas das zwischen den Sternen in den Galaxien vorhanden ist, wird durch die Gravitationseffekte angeregt, und es bilden sich viele neue Sterne.
Verschmelze werden die Galaxien wohl nur, wenn sich die Kerne zufällig genau treffen, aber das ist eher unwahrscheinlich. Genauso wie Zusammenstöße zwischen Sternen nur selten wenn überhaupt vorkommen dürfte, dafür ist auch in Galaxien der Raum zwischen den Sternen einfach zu groß.
Es wird schon einen Grund haben, daß alle Teleskope auf der Suche nach intelligentem Leben von der Erde weg gerichtet sind.

H.J.Kemm

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #66 am: 30. August 2009, 22:08:00 »
Moin,

Verschmelzen werden die Galaxien wohl nur, wenn sich die Kerne zufällig genau treffen, aber das ist eher unwahrscheinlich.

Wieso unwahrscheinlich?

Nach meinem Kenntnisstand (da gab es mal eine Abhandlung von Wissenschaftlern - hoffe ich finde die wieder) werden sich beide Galaxien mehrfach kontaktieren und dann  zusammenbleiben und eine Super-Spiralgalaxie bilden.

Jerry.


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Offline Schillrich

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #67 am: 30. August 2009, 23:12:10 »
So weit ich weiß, nimmt man bei diesen Begegnungen auch dissipative Prozesse an, also Reibung, was zum Verlust an Energie bzw. Impuls in den Bewegungen der Galaxiebestandteile führt. Dadurch fliegen die Galaxien nicht unbeeindruckt durcheinander durch, sonder "finden sich vielmehr zum Tanz" zusammen.

Interstellares Gas zwischen den Sternen soll der Hintergrund sein.
\\   //    Grüße
 \\ ///    Daniel

"We are following you ... but not on twitter." (Futurama)

H.J.Kemm

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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #68 am: 30. August 2009, 23:34:25 »
Moin,

da spielt auch die *gravitative Wechselwirkung* eine Rolle.

Jerry


PS: Ich suche noch nach dem Artikel, da wird das explizit beschrieben.

H.J.Kemm

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Re:Galaxien-Crash
« Antwort #69 am: 01. September 2009, 21:30:50 »
Moin,


Bild: Unsere Milchstrasse in der Simulation einschliesslich der Satellitengalaxien / Image courtesy of Stelios Kazantzidis, Ohio State University


Bild: Unsere Milchstrasse vor und nach einer Kollision mit einer kleineren Satellitengalaxie /  Image courtesy of Stelios Kazantzidis, Ohio State University

Unter der Leitung von Stelios Kazantzidis von der Ohio State University haben Wissenschaftler eine Computersimulationen angestellt um herauszubekommen, was mit unserer Milchstrasse geschehen wird, wenn sie mit anderen Galaxien zusammenstösst. Es ist nämlich schon interessant zu wissen, was mit den äusseren Spiralarmen bzw. dem äusseren Randbereich bei einer Kollision geschieht.   

Sie haben herausgefunden, dass kleinere Galaxien, so wie die *LMC* und *SMC*, unserer scheibenförmigen Milchstrasse schon Schaden zufügen könnten. Die *Kleinen* würden sich nach Kontaktierung langsam auflösen und bei der Milchstrasse zeigen sich die Auswirkungen vor allem am äußeren Rand. Hier wird durch die Gravitation der kleineren Galaxien Gas und auch Sterne aus der Scheibe der Milchstrasse herausgezogen und dadurch entsteht eine Verdickung im Randbereich. Dies Ergebnis wird durch die Untersuchung an anderen Galaxien bestätigt; auch da gibt es Verdickungen nach Kontakt mit kleineren Satellitengalaxien.

Wenn man diese Aussage jetzt einfach weiterspinnt, dann würde im Fall eines Crashes zwischen der *Andromeda-Galaxie* und der *Milky Way* unsere Heimatgalaxie der *Kleinere* Gegner sein. Aber unserem Sonnensystem, falls es dann noch existiert, sollte das eigentlich egal sein, es wäre dann ja nur ein kleiner Umzug.

Wie die Forscher aus dem Vergleich der Simulationen und den gemachten Beobachtungen auch etwas über die bislang unbekannte Natur der *Dunklen Materie* etwas erfahren wollen, ist mir nicht ganz klar - aber ich bin ja noch lernfähig.

Jerry


H.J.Kemm

  • Gast
Re: Galaxien-Crash
« Antwort #70 am: 14. Oktober 2009, 09:10:58 »
Moin,


Image and caption by NASA, ESA, the Hubble Heritage (STScI/AURA)-ESA/Hubble Collaboration, and A. Evans (University of Virginia, Charlottesville/NRAO/Stony Brook University)
*UGC 8335* (Arp 238) ist ein stark aufeinander wirkendes Paar von spiralförmigen Galaxien.

Das Galaxienpaar *UGC 8335*, die untere Galaxie ist MCG +10-19-056 und die obere MCG +10-19-057, +14,4 mag, Sternbild Großer Bär, 400 Mio. Lj, ist durch ein Band aus Gas und kosmischen Staub miteinander verbunden und somit besteht ein direkter Kontakt. Die beiden Zentren sind bereits zu einem grossen Kern angewachsen. Vorher müssen sich diese beiden ehemaligen Spiralgalaxien schon sehr nahe gekommen sein und dabei haben sie bereits Gas und Materie ausgetauscht, das beweisen die vielen Sternhaufen in den äusseren Armen.

Diese verschmelzenden Galaxien leuchten sehr stark im Infrarotbereich und gehören somit zur Gruppe der sehr leuchtstarken Infrarot-Galaxien. Sie wurden daher auch im Rahmen des Great Observatories All-sky LIRG (Luminous Infrared Galaxien) Survey (GOALS) gründlich untersucht.

Jerry  

« Letzte Änderung: 09. November 2009, 11:07:59 von H.J.Kemm »

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Galaxien-Crash
« Antwort #71 am: 10. November 2009, 03:06:16 »
Moin,

die ACS-Camera des Weltraumteleskopes Hubble von 2007 zeigt den bereits vollzogenen, vorläufigen, Galaxien-Crash von *NGC 2623* (Arp 243), Sternbild Krebs, 250 Mio Lj. Ein klarer Beweis für einen Kontakt ist die hohe Leuchtkraft von *NGC 2623* im Infrarotlicht. Zum endlichen Crash, der dann evtl zur bleibenden Verschmelzung führt, wird es aber noch einige Zeit dauern. Das ist aber nicht sicher. Es könnten sich beide Galaxien auch nur durchkreuzen und dann wieder ihren eigenen Weg finden.


Bild aus: science.hq.nasa.gov

Es waren zwei ursprünglich getrennte Spiralgalaxien die nun großteils ausgerollt wurden und ihre Kerne nähern sich bereits zu einem aktiven galaktischen Kern (AGN). Sternbildung findet weiterhin um diesen Kern nahe der Mitte des Bildes statt, aber auch entlang der ausgedehnten Gezeitenschweife, die auf beiden Seiten zu sehen sind, und in einer Region abseits des Kerns (im Bild oben links), wo Haufen heller blauer Sterne zu sehen sind. In den ausgeprägten Galaxienflügeln sind zudem eine große Anzahl von Kugelsternhaufen zu sehen. Mehr als 100 von ihnen finden die Astronomen in dieser Aufnahme.


NGC 2623, Aufnahme mit Hubbles Advanced Camera for Surveys (NASA / ESA / A. Evans, Stony Brook U. & NRAO, 2007)

Jerry

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Galaxien-Crash
« Antwort #72 am: 04. Februar 2010, 23:33:46 »
Moin,

wie sich die Bilder gleichen (wenn man das Bild aus dem vorherigen Beitrag anschaut) >>>
Chandra X-ray Image of *SDSS J1254+0846*
(NASA/CXC/SAO/P. Green et al.)

Verschmelzende Galaxien sind im Universum keine Seltenheit. In diesem Fall ist aber auffallend, dass sich die beiden supermassereichen Schwarzen Löcher aufeinander zubewegen und die Restmassen aus den jeweiligen Galaxien wie eine Fahne folgen. Es ist zwar nicht sicher ob diese beiden Galaxien sich auch wirklich vereinen oder nur nähern bzw. durchkreuzen, aber bei einem Abstand von nur ~ 70.000 Lj sollte es auf jeden Fall zu einem Crash kommen.
Für diese Aufnahme benutzten Wissenschaftler das Weltraumteleskop Chandra sowie the Baade-Magellan telescope in Chile.

Mehr >>> SDSS J1254+0846: Quasar Pair Captured in Galaxy Collision

Jerry


 

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Online -eumel-

  • Raumcon Moderator
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Re: Galaxien-Crash
« Antwort #73 am: 05. Februar 2010, 01:03:39 »
Es ist zwar nicht sicher ob diese beiden Galaxien sich auch wirklich vereinen oder nur nähern bzw. durchkreuzen

Auf jeden Fall wird diese dichte Annäherung beide Galaxien für immer verändern.
Schade, daß unsere Lebensspanne so kurz ist und wir solche astronomischen Vorgänge samt Entwicklung und Resultaten nicht mitverfolgen können.

H.J.Kemm

  • Gast
Re: Galaxien-Crash
« Antwort #74 am: 05. Februar 2010, 04:45:22 »
Moin,

optimal wäre natürlich, wenn man in der Zwerggalaxie *Leo 1* sitzen würde, dann hätte man aus ~ 800.000 Lj (also in nächster Nähe) die beiden magellanschen Wolken direkt vor unserer Milchstrasse und könnte dann zu sehen, wann bzw. ob sie überhaupt von unserer Heimatgalaxie vereinnahmt werden.

Das muss echt stark aussehen.

Jerry