Es gibt doch letztlich nur drei Optionen:
1. Weiter so. Ariane 6 weiterentwickeln, irgendwann in 15+ Jahren eine wiederverwendbare manrated Ariane 7 mit einer Kapsel. Macht uns vielleicht langfristig international unabhängiger, zeitlich und damit technologisch werden wir aber völlig abgehängt. Bis dahin massive Zuschüsse zu einer schon seit 10 Jahren nicht mehr aktuellen und nicht konkurrenzfähigen Technologie. Und zudem anders abhängig, nämlich von einen einzigen Anbieter, der bisher nicht gerade schnell, innovativ und günstig agiert hat. Das ist das, was die Amerikaner auch schon Jahrzehnte hatten und was ihnen das SLS-Problem beschert hat.
2. Auf das Nötigste reduzieren und alle Dienste einkaufen, also in den USA. Also die "Trampolin"-Variante nach Ende des Shuttles. Höchste Abhängigkeit langfristig, und muss auch nicht günstiger werden, wenn man uns in Europa die Preise diktieren kann, ob von den Anbietern oder über die beliebten Zölle. Oder politisch ganz zumachen. Diese Version will aber doch niemand und wurde doch auch weder hier noch von ESA auch nur angedacht - ?
3. Investition in mehr verschiedene und konkurrierende Anbieter, die kurz- bis mittelfristig kleine und mittelgroße Träger entwickeln. Das passiert jetzt mit zwar vergleichsweise mickrigen 500 Millionen in vier weitere Firmen (na ja, 3 + 1 Ariane-Ableger), aber ein Anfang. Schließt ja eine Weiter- oder Neuentwicklung bei Ariane nicht aus. Letztlich das, was Obama mit der Öffnung von NASA-Aufträgen für private Startups außerhalb des militärisch-industriellen Komplexes gemacht hat und nun für den Boom sorgt. Kommt natürlich auch wieder 15 Jahre zu spät, aber ich sehe das als einzige langfristig halbwegs erfolgversprechene Option.
Ein Ende des Ariane-6-Programms ohne etwas besseres Verfügbar zu haben wäre das Ende von Europas Unabhängigkeit im Weltraumbereich. Und das nur aus Kostengründen?
Nein, so extrem hat es wohl niemand gefordert.
Dass die aktuellen Ariane-Starts für Dritte nicht rentabel sind, ist für sich genommen erst einmal kein Untergang. Die Frage ist doch wie die Vergleichsrechnung aussehen würde.
Schon. Aber sollte das europäische Steuerzahler-Geld wirklich dazu dienen, z.B. die Amazon-Satelliten zu subventionieren, von einer Firma, die sich weiterhin weigert, ein Europa selbst korrekt Steuern zu zahlen? Oder dann doch besser direkt die Produktion zu subventionieren, selbst wenn das etwas teurer wird, und damit das Geld in Europa und in unserer Raumfahrtindustrie zu lassen? Ich bin für letzteres.
Es sollten sich ja auch europäische Nutzlasten finden lassen, die derzeit aus Kostengründen zu Falcon 9 und Co ausweichen, oder vielleicht mehr eigene Forschungsmissionen, statt der Subventionen Dritter?
Mein Credo ist: eine Raumfahrtindustrie wegzusparen ist leicht. Das haben wir in der ehemaligen Sowjetunion gesehen. Sie danach wieder aufzubauen ist unendlich schwerer.
Dem stimme ich zu. Aber das will doch so niemand? So eine Schwarz-Weiß-Malerei hilft nicht weiter.
Es geht nicht darum,
entweder Arianeflüge für Dritte zu subventionieren
oder die Raumfahrt einzustellen.
Sondern europäisches Geld in mehr und vielfältigere europäische Träger, europäische Technik und europäische Missionen zu stecken und genau damit hier Know-How und Raumfahrindustrie aufzubauen.