Raumcon
Raumfahrt => Fragen und Antworten: Raumfahrt => Thema gestartet von: Lenox am 12. April 2010, 12:10:32
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Hallo zusammen,
in letzter Zeit kommt die Nasa ja in Bedrängnis, da es keine Möglichkeit hat mehr zur ISS zukommen bzw. das Shuttle-Programm eingestellt wird.
DIe Gründe sind die Kosten.
Aber was ist genau dadran so teuer? Eigentlich ist das Space Shuttle doch ziemlich genial... Ich meine man fliegt auf der Erde ja auch nicht mit Wegwerf Raketen...
Deswegen ist meine Frage:
Was genau sind die hohen Kosten an dem Spaceshuttle...?
Sicherlich doch nicht die Booster, und das Hitzeschild alleine kann doch auch nicht dafür verantwortlich sein, dafür müsste man doch eine Lösung finden...?
Ach ja wieso setzt man eigentlich nicht 50 Leute darein, und macht damit schöne Weltraumflüge? Leute mit viel Geld lassen sich doch für Sowas gewinnen?
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Die Booster sind es natürlich nicht, auch wenn es vielleicht sogar günstiger wäre, sie jedes Mal fabrikneu an den Tank zu montieren. Der Hitzeschild ist aber auf jeden Fall ein echter Kostenbringer, da die defekten Kacheln, von denen es nach jedem Flug unzählige gibt, mühselig von Hand entfernt und wieder aufgetragen werden müssen. Natürlich gleicht kaum eine Kachel der anderen und ist daher in der Herstellung auch schon relativ teuer.
Die (Haupt-) Triebwerke werden nach jedem Flug ausgebaut und gewartet. Es ist also nicht so wie bei einem Flugzeug, dass man sie bis zum großen Check dran lässt, wenn sie beim letzten Flug ordnungsgemäß gelaufen sind.
Überhaupt ist das Space Shuttle eine unglaublich komplexe Maschine, die natürlich auch härtesten Belastungen bei Start, Landung und im Orbit standhalten muss. Bei einer Sojus-Kapsel etwa wirft man das meiste während oder nach der Mission weg, und es gibt von Beginn an wesentlich weniger Systeme und damit potentielle Fehlerquellen.
Touristenflüge kann man aber auch nicht so einfach machen, da die eigentliche Druckkabine eines Space Shuttles dafür viel zu klein ist. Mit sieben oder maximal acht Astonauten ist diese schon voll besetzt.
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Ruhri hat ja schon das wesentliche geschrieben. Das Shuttle besteht aus rund 2 Millionen Einzelteilen und die hohen Kosten entstehen daher hauptsächlich durch den immensen Wartungsaufwand der Shuttles zwischen den Missionen.
Der Hitzeschild ist aber auf jeden Fall ein echter Kostenbringer, da die defekten Kacheln, von denen es nach jedem Flug unzählige gibt, mühselig von Hand entfernt und wieder aufgetragen werden müssen.
Unzählige? Wir wollen mal nicht übertreiben. Vielleicht eine Handvoll. Wer sich die OBSS Aufnahmen ansieht und die Fotos des Hitzeschildes nach der Landung wird kaum Beschädigungen finden. Es sind sogar viele Kacheln an den Shuttles die noch nie ausgetauscht wurden.
Aber Touristenflüge mit dem Shuttle ist wirklich nicht drin. Man ist ja schon froh genug Missionen fliegen zu können um die ISS fertig zu stellen. Selbst die letzte Hubble Mission war ursprünglich aus Sicherheitsgründen gestrichen worden.
Außerdem ist die NASA keine Fluggesellschaft sondern eine staatliche Raumfahrtbehörde. Ein Touristenflug mit dem Shuttle wäre vergleichbar, als wenn ich mir bei der Marine einen Flugzeugträger für ne Kreuzfahrt mieten würde. :)
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Die über 10.000 Facharbeiter und hoch qualifizierten Ingenieure verschlingen auch schon eine knappe Milliarde pro Jahr. Egal ob das Shuttle fliegt, oder nicht.
Dazu Ersatzteile, Strom, Treibstoff, Instandhaltung der Gebäude sowie der Infrastruktur. STA, SCA (die 2 Boeing 747) und was weiß ich nicht alles.
Das ist eben teuer. Alleine so n Feuermelder kostet mehrere 1000 Dollar aufgrund all der benötigten Zertifikate und Sicherheitstests.
Die gesamte Astronautenausbildungsanlage usw...
Gruß, Klaus
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Hallo,
...also das mit dem Hitzeschild sollte man doch etwas komplexer sehen.
Natürlich geht da nicht viel kapput ;) ein glück sonst wäre jeder Reentry ein Abenteuer.
Trotzdem wird alles nach der Rückkehr in der OPF genau kontrolliert.Denkt an die Bilder mit den vielen Fähnchen an den Kacheln in der OPF ;)
Dazu kommen diese ganzen Anschlußteile am TPS die es zu den Wartungsteilen gibt.Also das Forward Reaction Control System, den beiden OMS Pods oder den 3 Main Engines .Diese übergänge am TPS müßen nach dem Einbau dieser Systeme wieder sicher hergestellt werden.
...macht Arbeit-kostet Geld ;)
gruß jok
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Ja, das ist ja alles einleuchtend, aber ich meine Private Firmen schaffen es mitlerweile kleinere "Fluggeräte" auf eine höhe von 100 Km zu bringen. die Reibung dadrüber ist doch vernachlässigbar, da die Luft dort praktisch nicht mehr existiert... Die privaten Firmen schaffen es doch auch ein kostengünstiges Modell zu entwickeln, was bei weitem noch nicht vergleichbar ist, aber vom Prinzip her die gleichen Anforderungen benötigt ( Sicherheit, Wiederverwendbarkeit...)
Ist nicht vielleicht das Spaceshuttle an sich das Problem, sondern nur der Aufgeblähte Apparat drumherum? Bzw. das die Technik in dem Spaceshuttle in den letzten Jahrzehnten nicht erneuert und angepasst wurde?
Grüße
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Wenn der Sprung vom 100km Hopser zum Space Shuttle Deiner Meinung nach nicht so groß ist, dann frag Dich mal warum die privaten nicht schon längst einen Menschen in den Orbit gebracht haben. Eben, weil er riesig ist!
Gruß, Klaus
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Das kann man absolut nicht vergleichen. SpaceShipOne ist auf 100km gekommen, das ist wahr. Und jetzt könnte man meinen: "Hey da fehlen ja nur noch 250km und dann fliegt es so hoch wie das Shuttle, also einfach nur doppelt so großes Triebwerk dran und los gehts."
Man vergißt dabei aber schnell, dass auf eben diesen 100km die Geschwindigkeit von SS1 bei nahezu 0 lag. Deshalb ist es auch nach 5 Minuten schon wieder im Rücksturz gewesen. Das Shuttle (und jedes andere Raumfahrzeug) fliegt mit einer Geschwindigkeit von rund 7,9 km/s, das sind über 28000 km/h. Das muss man erstmal erreichen. So einfach ist das also nicht. Hinzu kommt, wenn man von dieser Geschwindigkeit wieder auf ein paar hundert km/h zurück will um wieder zu landen. Auch dafür braucht man dann wieder Treibstoff und vor allem einen ordentlichen Hitzeschild und nicht einfach nur nen Eimer schwarze Farbe wie bei SS2. Dann wäre da noch das Lebenserhaltungssystem. SS1 oder SS2 sind ein paar Minuten im All. Das Shuttle bis zu zwei Wochen. In diesem Zeitraum muss die Energieversorgung gewährleistet sein, man brauch Wasser, Nahrung, Sauerstoff, Hygiene, Temperaturkontrolle und und und..
Und das wichtigste, wenn man schon den abwegigen Vergleich zwischen Shuttle und SS1 anstrebt: Das Shuttle transportiert bis zu über 20 Tonnen Nutzlast in den Orbit und ist hinzu auch noch ausgestattet diese zu entladen oder zu installieren.
Aber nichtsdestotrotz macht es eigentlich wenig Sinn das Shuttle mit SS1 oder ähnlichem zu Vergleichen. Äpfel und Birnen. Genausogut könnte man versuchen ein Segelflugzeug mit einer Boeing 747 vergleichen. Klar ist das Segelflugzeug wesentlich günstiger und einfacher zu handhaben und ein Ottonormalbürger kann es sich leisten, aber es leistet nunmal nicht im entferntesten Maße das, was ein Linienflieger kann.
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einen ordentlichen Hitzeschild und nicht einfach nur nen Eimer schwarze Farbe
Jetzt hab ich mal herzhaft gelacht! Danke! :D
Gruß, Klaus
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Jetzt hab ich mal herzhaft gelacht! Danke! :D
Stimmt doch sogar. :)
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Jetzt hab ich mal herzhaft gelacht! Danke! :D
Stimmt doch sogar. :)
...ja aber ganz genau :) flüssiger Hitzeschild aus dem 10 kg Eimer von OBI wurde unter anderem auch beim russischen Testgleiter in der Raumfahrtausstellung Speyer verwendet ;D
gruß jok
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hat die Enterprose nicht auch sowas in der richtung bekommen?
mfg STS-125
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Wie wäre es mit schwarzem Isoband als Hitzeschild :D schlechter kann das auch nicht sein als schwarze Farbe von Obi ;)
Für SpaceShip reicht das ja auch, dass hat ja kaum thermische Belastungen.
Lenox, ich glaube die Unterschiede sind klargeworden ;)
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Ja die Unterschiede liegen offensichtlich auf der Hand.
Trotzdem, so denke ich persönlich, wird in mittlerer Zukunft eine dauerhaftere Nutzung des Alls ohne ein vielleicht ähnliches Konzept nicht funktionieren...
Aber ich möchte garnicht unnötig abschweifen ;-)
Eine ganz andere Frage, wieso ist es eigentlich nicht möglich, nach dem Wiedereintritt in die Atmosphäre mit dem Shuttle langsamer zur Erde zurück zu gleiten? Also einen kleineren Anstellwinkel zu wählen und damit, wenn auch langsamer, dafür aber kühler zur Erde zurückzukommen?
Viele Grüße
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Dazu müsste man die Anstellfläche verändern, vermutlich die Flügel vergrößern. Diese müssten dann aber auch stabil sein. Das geht auf Kosten der Nutzlast, die bis auf Null sinken könnte.
Über den Shuttle haben sich Tausende von Sepzialisten viele Jahre lang die Köpfe zerbrochen.
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Na gut, bin überzeugt ::)
Glaub wir können den Thread dann auch schließen...?
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Hallo,
...also das mit dem Hitzeschild sollte man doch etwas komplexer sehen.
Natürlich geht da nicht viel kapput ;) ein glück sonst wäre jeder Reentry ein Abenteuer.
Trotzdem wird alles nach der Rückkehr in der OPF genau kontrolliert.Denkt an die Bilder mit den vielen Fähnchen an den Kacheln in der OPF ;)
An genau so etwas hatte ich gedacht. Natürlich fallen nur relativ wenige Kacheln wirklich ab, aber von den (sehr hohen) Sicherheitsanforderungen her gesehen, sind eben doch recht viele nach einer erfolgreichen Landung Schrott und müssen ausgetauscht werden. (Die Statistik darüber, welche Kacheln wie oft abfallen oder abgekratzt werden müssen, dürfte für die Ingenieure höchst interessant sein.) Aber gerade diese mit Fähnchen versehenen Kacheln machen besonders viel Ärger, weil sie nun einmal erst vorsichtig einzeln per Hand entfernt werden müssen. Alles, was lange dauert, wird auch gleich teuer, weil die Experten nun einmal nicht schlecht bezahlt werden.