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Sonstiges => Raumfahrt-Modellbau => Thema gestartet von: Harald W am 02. November 2026, 12:33:51

Titel: TF 4 Woßchod 2 - der erste Ausstieg im All
Beitrag von: Harald W am 02. November 2026, 12:33:51
Nachdem der US-amerikanische Präsident J.F. Kennedy 1961 die Mondlandung zu einem nationalen Ziel erklärt hatte, begann Wernher von Braun mit seiner Mannschaft die dazu notwendigen Gerätschaften zu entwerfen und alle Massen durchzukalkulieren.
Nach dem Ende des Mercury – Programms war 1963 klar dass es zwischen Mercury und dem Apollo – Mondflugprogramm einen Zwischenschritt geben müsse. Vor dem ersten Apolloflug sollten alle wichtigen Fragen wie die Navigation im All, das Zusammenkoppeln von Raumflugkörpern und die Bewegung und Dauerbelastungen von Astronauten geklärt sein.
Hierfür wurde mit den Erfahrungen aus dem Bau der Mercury-Kapsel sehr zügig eine vergrößerte Kapsel für zwei Personen geschaffen. Die NASA war, im Gegensatz zur russischen Vorgehensweise, sehr freizügig mit Informationen über ihre nächsten Schritte und teilte frühzeitig Termine zur Umsetzung ihrer Vorhaben mit.
So verkündete man detailliert die Aufgaben und Ablaufpläne zum sogenannten Gemini – Programm. Nach zwei unbemannten Testflügen und einem Erprobungsflug sollte schon beim zweiten bemannten Geminiflug ein Astronaut aus dem Raumschiff aussteigen und so Erfahrungen für Außenbordtätigkeiten sammeln.
S. P. Koroljow, der russische Gegenspieler zum deutschamerikaner W.v. Braun wußte also genau für wann die Amerikaner ihren ersten Ausstieg planten. Und er wollte unbedingt zeigen, dass die UdSSR nach wie vor die Nummer Eins im Weltraum war. Er wollte aufzeigen, dass die russischen Raumschiffe größer und fortschrittlicher entwickelt waren als ihre amerikanischen Gegenstücke.
Während in den USA die Detailkonstruktion und der Bau der Raumschiffe an die Firmen der Flugzeugindustrie vergeben wurde, verblieb in der UdSSR alles aus Gründen der Geheimhaltung im OKB 1 unter der alleinigen Führung von Koroljow. Dort gab es nicht die notwendige Entwicklungs- und Produktionskapazität zum Bau von gleichzeitig zwei neuen Raumschiffen. Das neue Raumschiff, welches auf die Wostokkapsel folgen sollte, würde frühstens 1967 zur Verfügung stehen. In zwei Versionen, Sond und Sojus, sollte es den russischen Weg zum Mond ebnen. Eine Kombination, noch ohne Namen, sollte den ersten Menschen, einen russischen Kosmonauten dann, vor den Amerikanern, zum Mond bringen.
So kam Koroljow auf die Idee, mit geringem Aufwand ein neues, größeres Raumschiff der Welt vorzutäuschen. Bei einem ersten Flug der nun Woßchod genannten Wostokkapsel wurde der Rettungs-Schleudersitz entfernt und 3 Kosmonauten, aus Platzmangel ohne Raumanzug, in die innen nur 2,1m messende Wostok-Kugel gepfercht. Nach dem kurzen geglückten Flug konnte man wieder einen Rekord vorweisen und behaupten, dass neue russische 3-Mann Raumschiff sei schon vor Apollo einsatzbereit.
In einem zweiten Schritt wurde dann eine neue Ersttat vorbereitet. Ein Kosmonaut sollte noch vor den Amerikanern aus dem neuen Raumschiff aussteigen. Das Team von Koroljow entwickelte in aller Eile eine aufblasbare Luftschleuse welche einen sicheren Ausstieg ins All ermöglichen sollte. Dieses Prinzip war für die Sojus – Raumkapsel – Kombination vorgesehen, wo ein Schleusenraum vor der Rückkehrkapsel angeordnet war. Doch vieles blieb aus Zeitdruck unerprobt.
Überhastet brach man nach nur einem unbemanten Erprobungsflug (der auch nicht in allen Teilen erfolgreich verlaufen war) mit zwei Kosmonauten an Bord auf. Es war ein teufliches Wagnis, nur um dem Erzfeind zuvor zu kommen.
Die Tafel Nr.4 zeigt den Ausstieg des Kosmonauten Leonow aus dem Raumschiff Woßchod 2. Die Startrakete R-7 wurde wegen der erhöhten Nutzmasse nochmals verlängert. Die Oberstufe war eine überarbeitete Konstruktion, welche von der 2. Sufe der Militärrakete R-9 abgeleitet war.

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Titel: Re: TF 4 Woßchod 2 - der erste Ausstieg im All
Beitrag von: Harald W am 02. November 2026, 12:39:02
Der Ausstieg ins All gelang, nachdem die Schleuse aufgeblasen war. Die Rippenstruktur der braunen Luftschleuse wirkte wie die Rippen einer Luftmatratze und gab der Konstruktion den notwendigen Halt.
Doch die Schleuse musste, um die Außenluke wieder verschließen zu können, mit den Füßen voran betreten werden. Erst nach dem Druckaufbau in der Schleuse konnte der in der Kapsel verbliebene 2. Kosmonaut die Verbindungstüre öffnen.
Leonow beschreibt in dem u.a. Buch das der Einstieg so trotz aller Bemühung nicht gelang. Schließlich schwebte er genervt mit seinem Kopf voran in die Schleuse. Doch nun musste er sich im Inneren drehen um an die Außenluke zu gelangen. Dieses Manöver wollte in dem engen „Schlauchboot“ nicht gelingen. Erst nachdem Leonow den Druck in seinem Raumanzug bis zu einem kritischen Wert gesenkt hatte, konnte er sich fast ohnmächtig geworden, drehen. Auch im weiteren Verlauf des Raumfluges gab es, nach Leonows Aussage dann insgesamt sieben kritische Situationen, von denen 4 hätten tötlich enden können.
So verlief auch die Landung nicht planmäßig weit ab vom Kurs in einem verschneiten Wald. Die Bergung der Crew gelang erst nach drei Tagen.
Obwohl noch 5 Woßchod Flüge geplant und drei Kapsel schon im Bau waren, wurden weitere Flüge mit dieser gefährlichen Konstruktion gestrichen.
Das amerikanische Gemini – Programm lief schon früh im Jahr 1965 an und Koroljow konnte nun amerikanische Erstleistungen (Dauerflugrekord; Rendezvous zweier Raumschiffe und Kopplung) nicht mehr verhindern. Vor seinem frühen Tod musste er schon die Schmach des Verlierers ertragen. Woßchod 2 war sein letzter Triumpf der auf der Lüge eines neuen Raumschiffs beruhte.
Der Geheimhaltung dieses Coup ist es geschuldet, dass es kaum ein Dutzend Bilder des Woßchod – Raumschiffs gibt. Entsprechend schwer gestalltete sich der Bau des Modells zumal es, wie das Original aus einem Wostok – Raumschiff umgebaut werden musste.
Grundlage war ein Wostokbausatz von Revell im Maßstab 1 zu 24. Der schwebende Kosmonaut wurde aus Teilen einer im 3D Druckverfahren hergestellten Kleinserie gefertigt.
Die Woßchod Startrakete entstand aus einem Bausatz der Firma Mach 2 im Maßstab 1 zu 72. Die Spritzlinge waren wieder schlecht (siehe Wostokrakete) und Teile der zweiten Stufe mussten überarbeitet werden da die Länge nicht stimmte.

Als nächstes stelle ich die Tafel 5 mit dem Thema Gemini – Titan vor. Danach kommt mit Apollo 5 – Saturn 1B der erste Flug der US Mondfähre auf Tafel 6.
In einem Intermezzo zeige ich dann Modelle der ersten Lifting Bodys X-24 A + B welche der Untersuchung von zukünftigen Raumflugkörpern dienten. Diese Testflüge fanden parallel zum Apolloprogramm statt.
Dann kommt mit der Tafel 7 der Vesuch der Russen noch vor den Amerikanern den Mond zu erreichen.
Um Weihnachten herum wird dann der Flug von Apollo 8 gewürdigt.
Im Jahr 2027 folgen dann noch 9 Tafeln und eine große Platte mit Motiven bis in die jüngere Raumfahrtgeschichte.

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