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Raumfahrt => Fragen und Antworten: Raumfahrt => Thema gestartet von: Toliman am 08. April 2026, 17:03:42

Titel: Raketenstartplätze und Aufstiegsbahnen
Beitrag von: Toliman am 08. April 2026, 17:03:42
Welche internationalen Regeln gelten für die Lage von Raketenstartplätzen und der Wahl der Aufstiegsbahnen? Schließlich gehen von einem Start in der Regel Gefahren durch abstürzende Stufen und natürlich auch im Fall einer Explosion von herabfallenden Trümmern aus. Aus diesem Grund führen die Aufstiegsbahnen aufsteigender Raketen häufig über das Meer. Allerdings ist dies nicht immer möglich und bei Starts vom israelischen Palmachim, vom nordkoreanischen Sohae odef vom südkoreanischen Naro Space Center schon nach recht kurzer Wegstrecke über Land. In wie weit kann man einen Satellitenstart so durchführen, dass die erste Stufe relativ nahe beim Startplatz einschlägt? Welche geringste Entfernung zum Startplatz wäre möglich?
Könnte man vom polnischen Ustka, wo man im letzten Jahr erfolgreich die Höhenforschungsrakete "Perun" (und in den 1970er Jahren zahlreiche Raketen vom Typ "Meteor" gestartet hat) sicher einen Satelliten starten?
In wie weit ist die russische Stadt Archangelsk in Gefahr, wenn von Pleseck eine Rakete für einen Satelliten mit einer polaren Umlaufbahn (solche dürften dort hauptsächlich gestartet werden) gestartet wird?
Titel: Re: Raketenstartplätze und Aufstiegsbahnen
Beitrag von: Schillrich am 08. April 2026, 17:39:12
Klassischerweise gibt es das "dog-leg"-Manöver in der ersten Flugphase der ersten Stufe, um eine Ausschlusszone bewusst zu umfliegen und "danach" auf die eigentliche Zielinklinination einzuschwenken. Gibt es u.a. in Vandenberg und, wenn ich mich recht erinnere, wahrscheinlich auch in Guyana bei polaren Starts. Das ganze hat seine dynamische Grenzen und kostet auf jeden Fall Nutzlast.

Der eigentliche Punkt von dir: wie kann man starten, damit die Erststufe möglichst nah am Startplatz runterkommt?
Senkrecht! Man würde praktisch direkt senkrecht starten und die Oberstufe(n) auf eine senkrechte Wurfparabel über dem Startplatz aussetzen. Die Oberstufen würden sich dann horizontal ausrichten und tangential beschleunigen, um während der senkrechten Freifallphase über der Atmosphäre die Orbitgeschwindigkeit aufzubauen. Man bräuchte praktisch eine weitere, große Unterstufe. Viellkeicht hat's mal jemand in Kerbal-Space-Programm gemacht ...
Titel: Re: Raketenstartplätze und Aufstiegsbahnen
Beitrag von: Schillrich am 08. April 2026, 17:42:30
Real gemacht haben die Amerikaner das mit Jupiter-C/Juno-1 um Explorer 1 zu starten, dort aber durch Grenzen der Regeltechnik/Steuerung zwischen Hauptstufe und Oberstufen für die "zusammengebastelte" Rakete bedingt. Der Aufstieg war am Ende 40° gekippt, also nicht tatsächlich senkrecht. Aber im Prinzip passt das zum oben genannten Szenario.